Bouffier: "Achtsamkeit ja, Angst nein"

Hunderte gedenken in Volkmarsen der Verletzten vom Rosenmontag

26. Februar 2020 - 10:46 Uhr

Video: Volkmarsen gedenkt der Verletzten des Rosenmontagszugs

Eine ganze Stadt ist bestürzt. Am Dienstagabend sind Hunderte Menschen im nordhessischen Volkmarsen zu einem ökumenischen Gottesdienst zusammengekommen. Sie gedenken der Verletzten der Amokfahrt vom Rosenmontag. Der Schock sitzt tief, wie im Video zu sehen ist.

Bouffier: "Achtsamkeit, Wachsamkeit ja, aber Angst nein"

Gedenken in Volkmarsen
Die Menschen in Volkmarsen stellten Kerzen auf, um der Opfer des Rosenmontags zu gedenken.
© REUTERS, THILO SCHMUELGEN, THO/ata

Die Pfarrkirche St. Marien war schon lange vor Beginn des Gottesdienstes gefüllt. Hunderte Menschen, darunter auch viele Kinder und Jugendliche, standen auf dem Kirchplatz zwischen Fachwerkhäusern und dem Rathaus. Einige Besucher hielten sich im Arm, wischten Tränen weg, Menschen beteten und sangen gemeinsam. Nach dem Gottesdienst, der über Lautsprecher nach draußen übertragen wurde, stellten Menschen Kerzen an der Kirche ab.

Auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier nahm am Gottesdienst teil. "Achtsamkeit, Wachsamkeit ja, aber Angst nein. Wir wollen uns unser Leben, auch unsere Fröhlichkeit nicht nehmen lassen", sagt er, "wenn wir etwas brauchen in diesem Land, dann ist es Zusammenhalt".

Auch der Fuldaer Bischof Michael Gerber rief die Menschen zum Zusammenhalt auf. Die Tat könne man nicht verstehen, sagte der katholische Geistliche. Die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, sagte, das Geschehene habe das Leben in Volkmarsen radikal verändert, doch Gott sei auch in diesen dunklen Momenten bei den Menschen.

Maurice P. (29) verletzte mit seinem Auto 20 Kinder

Am Rosenmontag war der 29-jährige Maurice P. in eine Menschenmenge beim Karnevalsumzug gerast. Dabei wurden 61 Menschen verletzt, darunter 20 Kinder. Das jüngste ist nur zwei Jahre alt. Der Polizei ist der Tatverdächtige schon länger bekannt, war bereits wegen Hausfriedensbruch, Beleidigung und Nötigung aufgefallen - aber nicht als Extremist. Wegen einer schweren Kopfverletzung soll er zurzeit im Krankenhaus behandelt werden. Am Dienstagabend ist gegen ihn Untersuchungshaft angeordnet worden. "Zur genauen Motivlage können wir noch nichts sagen. Die Vernehmungen müssen noch stattfinden", sagt Polizeisprecher Henning Hinn.

Außerdem werde eine zweite Person von der Polizei vernommen, sie soll gefilmt haben, wie Maurice P. das Auto in die Menschenmenge gelenkt hat. Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt sagte, gegen den Festgenommenen werde wegen "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Filmaufnahmen" ermittelt.