Haustiere für Fellbesatz gequält

Hinter diesen Namen verstecken Hersteller Hunde- und Katzenfelle in Kleidung

7. November 2019 - 12:07 Uhr

Ist Kunstfell dran, wo Kunstfell drauf steht?

Jetzt, da es draußen immer kälter wird, holen die Deutschen ihre Wintermäntel aus dem Keller oder machen sich auf die Suche nach einer neuen schönen warmen Jacke im Geschäft. Noch immer ist Fell ein Thema an den Kaufhausständern, auch wenn für 96 Prozent der Deutschen Echtpelz nicht mehr infrage kommt. Doch ist wirklich Kunstfell dran, wo Kunstfell drauf steht? Leider meistens nicht! Das hat auch RTL-Reporter Thorsten Sleegers bei seinen Recherchen erleben müssen. Wie oft unwissende Kunden im Einzelhandel echten Pelz kaufen und wie Sie testen können, woraus das Fell Ihrer Jacke besteht, sehen Sie im Video.

Warum greifen die Hersteller noch immer zu Echtpelz?

Seit 2012 sind Textilfirmen dank einer EU-Verordnung dazu verpflichtet, Kleidungsstücke zu kennzeichnen, die Leder oder echtes Fell beinhalten – und zwar mit "enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs". Allerdings sagt diese Bezeichnung über Herkunft, Haltung und Art des Tieres überhaupt nichts aus. Und: Viele Firmen halten sich nicht an die Vorgabe oder wissen einfach zu wenig über den Hersteller der Kleidung. So kommt es ständig zu falschen oder gar keinen Kennzeichnungen in Mützen und Parkas. Trotz des EU-weiten Verbots für den Import von Haustierfellen, das es seit 2009 gibt, gelangen Hunde- und Katzenfälle tonnenweise auf den deutschen Markt – getarnt als Kunstfell.

Warum greifen die Hersteller noch immer zu Echtpelz und nicht zu Kunstfell? Die Antwort ist simpel. "Dass echter Pelz aber auch in günstigen Produkten zu finden ist, beruht darauf, dass Felle bestimmter Tierarten je nach Herkunft (z.B. das Fell des Marderhundes aus chinesischen Farmen) billiger oder zumindest genauso billig zu bekommen wie Kunstfell. Daher wird oft Echtfell verwendet, ohne dass der Käufer darüber deutlich aufgeklärt wird oder einen preislichen Unterschied feststellt", erklärt Lea Schmitz, Sprecherin des Deutschen Tierschutzbunds.  

Diese Begriffe stehen für Tierteile in Ihrer Kleidung

Wenn in Ihrem Textil mit Fell Angaben zur Zusammensetzung gemacht werden, dann schauen Sie doch einmal, ob darin folgende Begriffe enthalten sind. Wenn ja, tragen Sie nämlich Teile folgender Tiere:

  • GAE-Wolf: Hund
  • Gubi: Hund
  • Sobaki: Hund
  • Feh: Eichhörnchen
  • Ljaguschka: Eichhörnchen
  • Kojah: Nerz
  • Sami: Nerz
  • Kidus: Kreuzung aus Zobel und Baummarder
  • Genotte: Katze
  • Genette: Katze
  • Maopee: Katze
  • Serval: Katze
  • Sealkanin: Kaninchen
  • Nutriette: Kaninchen
  • Caraccal: Luchs

Diese Firmen verzichten auf Echtpelz

Die gute Nachricht: Große namhafte Modehäuser haben sich einem Fur-Free-Retailer-Programm angeschlossen, darunter auch H&M, Zara und Esprit. Die vollständige Liste der pelzfreien Unternehmen finden Sie auf der Fur-Free-Webseite. Unternehmen, die an dem Programm teilnehmen, werden regelmäßig kontrolliert.

Was für Höllenqualen Tiere leiden müssen, deren Fell am Ende in Kleidungsstücken landen, sehen Sie hier. Die Aufnahmen, die wir in dem Artikel zeigen, sind verstörend, aber es braucht laut Tierschützern eben genau das, damit diese Quälerei endlich aufhört.