Hummels köpft Deutschland ins Halbfinale

05. Juli 2014 - 0:06 Uhr

Die deutsche Nationalmannschaft ist zum vierten Mal in Folge ins Halbfinale der WM eingezogen. Beim 1:0 gegen Frankreich war Mats Hummels mit seinem Siegtreffer der Matchwinner. In der Vorschlussrunde trifft die DFB-Auswahl auf Brasilien, das Kolumbien im zweiten Viertelfinale des Abends mit 2:1 besiegte.

Das 1:0 Für Deutschland durch Mats Hummels.
Hugo Lloris hat gegen Mats Hummels das Nachsehen.
© dpa, Thomas Eisenhuth

Schon vor der Partie wusste Joachim Löw mit seiner Aufstellung zu überraschen. Der Bundestrainer zog Philipp Lahm auf die Position des Rechtverteidigers zurück, während der wiedergenesene Mats Hummels Per Mertesacker ersetzte. "Wir brauchen alle Spieler, und wenn ich das Gefühl habe, dass ich einen Reiz setzen muss, dann mache ich das", sagte der 54-Jährige. Außerdem wich Löw von der falschen Neun ab und brachte Miroslav Klose als Sturmspitze, Mario Götze musste auf die Bank.

Mit diesem 4-2-3-1-System fand die deutsche Mannschaft gut in die Partie und übernahm die Kontrolle. Frankreich stand tief und wartete ab. Als sich die Franzosen zum ersten Mal in die Offensive wagten, wurde es direkt gefährlich, Karim Benzema (7.) verfehlte das Tor nach Zuspiel von Mathieu Valbuena aus 13 Metern knapp.

Gerade als Frankreich Oberwasser zu gewinnen schien, schlug die DFB-Elf nach einem Freistoß eiskalt zu. Toni Kroos schlug den Ball aus 35 Metern von der halblinken Seite in den Strafraum, wo Mats Hummels (12.) hochstieg und den Ball über die Unterkante der Latte ins Tor köpfte. "Wenn ich schon schwer und nicht so leichtfüßig bin, muss ich die nötige Kraft im Kopfball haben", sagte der Abwehrchef nach der Partie.

Der Rückstand brachte Frankreich zum Umdenken. Fortan erhöhte die 'Equipe Tricolore' das Gegenpressing und griff die DFB-Kicker schon im Aufbau an. Aber die deutsche Mannschaft blieb ruhig, machte das Feld ebenfalls eng, wodurch die meisten Angriffsversuche der Franzosen verpufften.

Dann ein Aufschrei unter den deutschen Fans: Klose (25.) kam nach einem Zweikampf gegen Mathieu Debuchy zu Fall. Aber das leichte Halten des französischen Außenverteidigers war nicht elfmeterwürdig.

In der 33. Minute brannte es dann erstmals lichterloh im deutschen Strafraum, als Antoine Griezmann Valbuena einsetzte und der von halblinker Position aus nächster Nähe abzog. Eine Weltklasse-Parade von Manuel Neuer und das Knie von Hummels beim Nachschuss von Benzema retteten die deutsche Führung.

Danach kam Frankreich immer mehr auf. Hummels musste erneut gegen Benzema (41.) retten, als dieser aus sechs Metern zum Kopfball kam. Der Dortmunder brachte seinen Körper in letzter Sekunde dazwischen. Zwei Minuten später hatte Neuer leichtes Spiel gegen einen verunglückten Schuss des Real-Stürmers.

Gegen Ende der ersten Halbzeit wirkte die deutsche Abwehr vor allem bei langen Bällen anfällig. Auch die Abseitsfalle, die in den ersten 35 Minuten einige Male zupackte, birgte plötzlich mehr Risiken. Trotzdem rettete Deutschland die Führung dank eines starken Hummels in die Pause.

Zitterpartie in der zweiten Halbzeit

Manuel Neuer konnte sich in der zweiten Halbzeit über mangelnde Beschäftigung nicht beklagen.
Manuel Neuer rettet in der letzten Minute gegen Karim Benzema.
© dpa, Marcus Brandt

Nach dem Seitenwechsel machten 'Les Bleus' so weiter, wie sie in der letzten Viertelstunde der ersten Halbzeit aufgehört hatten. Nationaltrainer Didier Deschamps hatte in seiner Halbzeitansprache mehr Tempo von seiner Mannschaft gefordert, was er bekam. Die Franzosen standen sehr hoch und ließen der deutschen Hintermannschaft kaum Luft zum Atmen.

Allerdings schaffte es die französische Offensive meist nicht, den letzten Pass zu spielen. In der 57. Minute klärte Bastian Schweinsteiger nach einem scharfen Zuspiel von Blaise Matuidi, ein Kopfball von Raphael Varane (60.) war leichte Beute für Neuer.

Nicht nur die Passivität der deutschen Offensive trieb Löw die Sorgenfalten auf die Stirn. Wer auf Nadelstiche durch Konter des deutschen Teams wartete, wurde enttäuscht. Dementsprechend brachte der Bundestrainer in der 69. Minute Andre Schürrle für den enttäuschenden Klose. Der Rekordtorschütze des DFB hing über weite Strecken des Spiels in der Luft und hatte keine echte Torchance.

Prompt reagierte auch Deschamps: Der französische Trainer opferte seinen starken Strategen Yohan Cabaye für mehr Offensive – mit Loic Remy kam ein Außenstürmer. Zudem musste Mamadou Sakho verletzt raus. Für ihn kam Laurent Koscielny.

Die offensivere Spielweise der Franzosen öffnete mehr Räume, aber Schürrles Schuss (72.) war kein Problem für Hugo Lloris und Thomas Müller (75.) entschied sich für den falschen Pass, als er Özil im Rückraum bedienen wollte. Auf der anderen Seite musste Neuer (76.) gegen einen strammen Schuss von Matuidi klären. Langsam entwickelte sich der offene Schlagaubtausch, den die Deutschen eigentlich vermeiden wollten.

Dann die große Chance für die DFB-Elf, den Sack zuzumachen. Müller schickte Özil auf die Reise zu einem mustergültigen Konter. Als der Arsenal-Star auf Müller zurücklegte und der ins Leere trat, war Schürrle völlig frei, aber der Joker vergab kläglich gegen Lloris. Eine hundertprozentige Chance war verschenkt. In der 86. Minute war es dann erneut Schürrle, der die Entscheidung auf dem Fuß hatte, aber Varane warf sich in den Schuss des Angreifers.

Deschamps hatte mit Olivier Giroud inzwischen seinen letzten Trumpf in die Partie geworfen und Frankreich hatte noch eine letzte letzte Chance. Doch Neuer fischte einen Schuss von Benzema in der Schlussminute mit einem großartigen Reflex von der Linie und rettete Deutschland das Halbfinale. "Manu ist einfach der beste Torhüter der Welt. Jetzt freuen wir uns auf das Halbfinale. Ich glaube, wir können stolz sein. Jetzt muss das Ziel Finale sein", sagte Jerome Boateng nach der Partie.