Human Rights Watch über Vergewaltigungen in Nordkorea: "Unfreiwilliger Sex ist Teil des Alltags"

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2. November 2018 - 12:17 Uhr

Frauen werden in Nordkorea geschlagen, vergewaltigt und missbraucht

Nordkoreanische Frauen sind in ihrem Land hilflos der sexuellen Gewalt durch Staatsbeamte und Parteifunktionäre ausgeliefert. Das berichtet Human Rights Watch. 54 Frauen haben der Menschenrechtsorganisation von ihren Qualen berichtet. Sie geben einen erschreckenden Einblick in das System des isolierten Staates.

Geflüchtete Nordkoreanerinnen sprechen über ihr Martyrium

"Jede Nacht wurden einige Frauen gezwungen, mit einem Wärter zu gehen und wurden vergewaltigt", berichtete laut Human Rights Watch eine Frau, die in einem nordkoreanischen Gefangenenlager in Grenznähe inhaftiert war. "Die Männer haben mich vergewaltigt, sie fassten mich am ganzen Körper an und demonstrierten so ihre Macht. Es war nötig, um überleben zu können", zitierte die "New York Times" die Frau.

Eine andere Nordkoreanerin erzählte, dass sie auf dem Markt Produkte verkauft hätte und dabei von Beamten regelmäßig missbraucht wurde. "Wir mussten den Polizisten in einen leeren Raum außerhalb des Marktes folgen oder zu einem anderen Ort, den sie auswählten", sagte sie. Dort seien sie dann vergewaltigt worden. "Es passiert so oft, dass niemand mehr darüber nachdachte, dass es eine große Sache ist."

Nach eigenen Angaben befragte die Organisation für den Bericht 54 Frauen und acht frühere Beamte, die seit der Machtübernahme durch Kim Jong Un 2011 ihr Land verlassen hätten.

Human Rights Watch: Kim Jong Un unternimmt nichts gegen die sexuelle Gewalt im Land

Laut des Berichts seien Frauen in dem abgeschotteten Staat gezwungen, die Forderungen eines Beamten mit Machtposition zu erfüllen, sobald sie von einem Staatsdiener "ausgesucht" worden seien. Dabei sei egal, ob es um Forderungen nach "Sex, Geld oder anderen Gefälligkeiten" gehe. Zu den Tätern gehörten hochrangige Parteikader, Gefängniswärter, Polizeibeamte, Geheimdienstler, Staatsanwälte und Soldaten.

Human Rights Watch wirft der Führung von Machthaber Kim Jong Un nun vor, nichts gegen den weitverbreiteten Missbrauch von Frauen zu unternehmen und die Opfer mundtot zu machen. "Unfreiwilliger sexueller Kontakt und Gewalt sind so normal in Nordkorea, dass sie als Teil des alltäglichen Lebens akzeptiert werden", hieß es in der Mitteilung.

Die Frauen würden vermutlich "Me Too" sagen, wenn sie könnten

"Die Nordkoreanerinnen würden vermutlich "Me Too" sagen, wenn ihnen Gerechtigkeit zuteil wird", sagte der Exekutivdirektor der Organisation, Kenneth Roth, in Anspielung auf die in sozialen Netzen losgetretene #MeToo-Bewegung. Viele Frauen sehen den einzigen Ausweg aus den ständigen Übergriffen in der Flucht aus dem Land. Seit den 1990er Jahren konnten etwa 32.000 Nordkoreaner aus der Diktatur nach Südkorea fliehen - die meisten waren Frauen.