Der Fall interessiert jetzt auch die Politik

HSV-Spieler Bakéry Jatta droht die Abschiebung

HSV-Spieler Bakéry Jatta droht die Abschiebung.
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09. August 2019 - 18:15 Uhr

Weidel meldet sich bei Facebook

Hat er nun getäuscht oder nicht? Der Fall Bakéry Jatta beschäftigt weiter Fußball-Deutschland. Er soll gegenüber deutschen Behörden falsche Angaben über sein Alter und seinen wahren Namen gemacht haben. So könnte er sich ein Bleiberecht erschlichen haben. Der Fall interessiert auch die Politik - Alice Weidel zum Beispiel.

Bezirksamt Hamburg-Mitte hat ein Verfahren eröffnet

Post von Alice Weidel
Alice Weidel schaltet sich in den Streit um den HSV-Spieler Bakéry Jatta ein.
© Facebook

Die AfD-Chefin meldete sich gestern bei Facebook zu Wort. "Recht muss Recht bleiben. Wo kommen wir hin, wenn wir bei Identitätsbetrug wegschauen?", fragt sie dort. "Wir haben ein Recht darauf zu wissen, wer bei uns lebt. Jatta hat sich in vollem Umfang und mit allen Konsequenzen für sein Handeln zu verantworten, sollten die Vorwürfe zutreffen."

Was Weidel da fordert, ist allerdings der Normalfall im Rechtsstaat - daher würden das in diesem Fall vermutlich sogar die Grünen unterschreiben. Das Bezirksamt Hamburg-Mitte hat nun auch auf den Bericht der "Sport-Bild" reagiert und ein Verfahren eröffnet. Ein Schreiben an Jatta sei gestern raus gegangen, hieß es vom Amt. Er könnte nun seine Aufenthaltserlaubnis verlieren und sogar abgeschoben werden.

"Wir hatten alle Zweifel"

Auch die frühere CDU-Bundestagsabgeordnete und jetzige AfD-Sympathisantin Erika Steinbach reagierte auf den Fall. Wenn auch in knapperer Form als Weidel: "In Deutschland ist inzwischen alles möglich", twitterte sie. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) twitterte gestern, Jatta habe gar keinen Asylantrag gestellt. Ansonsten hielten sich die Politiker auffallend zurück. Vielleicht weil man erst abwarten will, ob die Vorwürfe stimmen.

Lothar Kannenberg, Entdecker Jattas in Deutschland, bestärkte derweil Zweifel an der Identität des Gambiers. "Wir hatten alle Zweifel, ob er nicht älter als 17 sein könnte", sagte Kannenberg über den Spieler, der im Sommer 2015 nach Bremen gekommen war, der "Bild"-Zeitung. Er wünsche sich, "dass er alles von sich aus aufklärt. Er kann nur Leistung bringen, wenn alles abgehakt ist. So eine Belastung behindert ihn."

Der ehemalige Leiter der mittlerweile geschlossenen Bremer Jugendhilfeeinrichtung betonte, Jatta habe bei seiner Ankunft einen gambischen Pass besessen. "Die Stadt Bremen hat seine Identität überprüft und ihn dann an uns vermittelt, darauf haben wir uns natürlich verlassen."

Was machen die Fans?

Fan- und Extremismusforscher Robert Claus rechnet nun rund um das DFB-Pokalspiel zwischen dem Chemnitzer FC und dem Hamburger SV am Sonntag mit Reaktionen beider Fanlager. "Ohne den Fußball über Gebühr interpretieren zu wollen, steckt sowohl in der Chemnitzer Debatte um Daniel Frahn als auch im Hamburger Fall um Bakery Jatta viel Gesellschaftspolitisches um die Themen extreme Rechte, Rassismus und Migration", sagte Claus. "Es ist gut möglich, dass die jeweiligen Fanszenen die Themen am Sonntag mit Spruchbändern aufgreifen." Der CFC hatte Anfang der Woche seinen Kapitän Frahn wegen einer angeblich zu großen Nähe zur rechtsextremistischen Szene entlassen.

Der Verein hält zu dem Spieler. "Wir stehen voll hinter Bakéry und werden ihn auch weiterhin voll umfänglich im Trainings- und Spielbetrieb einplanen, zumal er ein wertvoller Spieler und voll integrierter, geschätzter Teamkollege ist", sagte HSV-Sportvorstand Jonas Boldt.