23. April 2019 - 15:49 Uhr

Über Leipzig nach Berlin

Wenn der Hamburger SV am Dienstagabend im DFB-Pokal-Halbfinale gegen RB Leipzig (20.45 Uhr/ARD) im Volksparkstadion aufäuft, wird der Frust aus Liga 2 vergessen sein. Der HSV will unbedingt sein erstes Pokal-Endspiel seit 32 Jahren erreichen und träumt sogar von Europa. Wirtschaftlich kann der DFB-Pokal große Folgen haben.

Pokal-Euphorie

Die Vorfreude und die Hoffnung auf das erste DFB-Pokalfinale seit 1987 - damals siegte der HSV übrigens mit 3:1 gegen die Stuttgarter Kickers - ist riesig und lässt sogar den Ligafrust vergessen. Dort ist der Hamburger Sportverein nämlich seit fünf Spielen sieglos und hat den Aufstieg ernsthaft in Gefahr gebracht. Doch nun liegt der Fokus voll auf der anstehenden Pokalschlacht.

Torjäger Pierre-Michel Lasogga freut sich auf ein "richtig geiles Spiel". "Für viele ist das einer der größten Momente in ihrer Karriere. Auch für mich persönlich", sagte Lasogga, mit sechs Pokaltreffern bislang mit Abstand torgefährlichster HSV-Angreifer im laufenden Wettbewerb. Auch Trainer Hannes Wolf sagt: "Wir wollen alles, was in unserer Macht steht, auf den Platz bringen. Wir würden sehr, sehr gerne in Berlin stehen."

Selbst Seeler optimistisch

Uwe Seeler
Uwe Seeler
© picture alliance

Selbst Club-Legende Uwe Seeler, der als großer Kritiker gilt, sieht eine realistische Chance für seine Hamburger. Leipzig sei zwar Favorit, sagte Seeler bei 'Sport1': "Aber im Pokal gehen ja die ganzen Wetten anders. Wenn der HSV gut spielt und konstant, dann würde ich sagen, haben sie eine Chance."

Geldregen?

Gesetzt den Fall, dass der HSV in das Finale einzieht, wäre sogar die Teilnahme am Europapokal möglich. Ein Sieg fehlte dann nur zum Titel und zum Einzug in den internationalen Wettbewerb. Allerdings wäre das Fluch und Segen zugleich. Die Hamburger müssten eine ganze Stange Geld an Investor Klaus-Michael Kühne zurückzahlen. Pro Europa-League-Teilnahme werden 33 Prozent der geliehenen 38 Millionen Euro fällig. Diese Klausel läuft seit 2016/2017 und gilt für sechs Jahre. Für Hamburg könnte der Pokal also teuer werden.

Denn nicht nur Kühne winkt eine satte Summe, sondern auch den Spielern. 1 Millionen Euro soll es laut 'Bild' als Prämie für das Pokal-Wunder geben. Immerhin nimmt der HSV bei einem Finaleinzug schon mal 3,5 Millionen Euro ein.

Sportliche Ausgangslage

Trotz all der Euphorie: Schaut man sich die nackten Fakten an, dürfte der HSV nahezu chancenlos sein. Wie erwähnt, ist Hamburg seit fünf Ligaspielen sieglos. Den letzten Erfolg feierten die 'Rothosen' im Pokal-Viertelfinale gegen Paderborn (2:0).

Die Gäste sind derweil auf dem besten Weg sich für die Champions League zu qualifizieren. Die Roten Bullen verloren im Jahr 2019 lediglich ein Pflichtspiel: Und das am 19. Januar mit 0:1 gegen Borussia Dortmund. "Wir wollen den letzten Schritt machen", sagte RB-Trainer Ralf Rangnick: "Jeder bei uns im Verein brennt darauf, ins Finale einzuziehen." Für Leipzig wäre es das erste Pokal-Endspiel der Vereinsgeschichte.

Die Euphorie der HSV-Fans ist jedenfalls nicht mehr zum bremsen. In der Nacht gab es eine Aktion vor dem Leipziger Teamhotel und eine Facebook-Umfrage von RB wurde kurzer Hand zu Gunsten des HSV gedreht.