Hotels wieder geöffnet: Verwirrung über Coronaregeln im Harz

Eine Mitarbeiterin reinigt und desinfiziert einen Tisch in einem Restaurant in Wernigerode. Foto: Matthias Bein/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
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22. Mai 2020 - 16:30 Uhr

Nach rund zweimonatiger coronabedingter Zwangspause haben am Freitag zahlreiche Hotels in Sachsen-Anhalt wieder aufgemacht. So gut wie alle Hotels im Land seien wieder auf, sagte Michael Schmidt, Präsident des Branchenverbands Dehoga Sachsen-Anhalt, am Freitagnachmittag. Wegen der Beschränkung auf Gäste aus Sachsen-Anhalt hätten die Hoteliers aber gerade für das Himmelfahrtswochenende viele Buchungsanfragen ablehnen müssen. Neben den Hotels dürfen nun auch Restaurants wieder öffnen - ohne das wie bisher beantragen zu müssen.

Die Hoteliers und Wirte müssen sich dabei an strenge Sicherheitsregeln halten, die das Wirtschaftsministerium mit Branchenvertretern festgelegt hat. So müssen die Angestellten Mundschutz tragen und Reservierungen und Buchungen sollen möglichst kontaktlos erfolgen. Auch Restaurants müssen Namen und Kontaktdaten ihrer Gäste notieren, damit sie im Falle eines Ausbruchs des Virus erreichbar sind. Alle Hotels und Restaurants müssen außerdem auf Nachfrage ein individuelles Sicherheitskonzept vorlegen können und ihre Gäste darüber informieren.

Hendrik Grebe, Geschäftsführer vom Arthotel im Hundertwasser Haus in Magdeburg, begrüßte am Freitagnachmittag wieder die ersten Gäste. "Das stimmt uns erstmal froh", sagte der Hotelier. Grebe hat sein Haus in den vergangenen Tagen auf die "neue Normalität", wie er sagt, vorbereitet. Die Lobby, in der sonst die Gäste frühstücken, wurde umgebaut. Frühstück gibt es jetzt per Lunchpaket aufs Zimmer. Die Mitarbeiter wurden geschult, Spender für Desinfektionsmittel und Aushänge zum Sicherheitskonzept aufgehängt.

Fünf seiner 45 Zimmer seien in den kommenden Tagen belegt, sagte Grebe. Rentabel sei das Arbeiten damit noch nicht, doch Grebe und Kollegen hoffen auf einen "schleichenden Einstieg" ins Geschäft. Und langsam zeichne sich auch eine bessere Buchungslage ab. So würden seit drei Tagen wieder mehr Buchungen eingehen als Stornierungen. Zuvor seien lange vor allem Absagen eingegangen. "Da hat das Arbeiten gar keinen Spaß gemacht", sagte der Geschäftsführer.

Auch Dehoga-Landespräsident Schmidt machte sein Hotel und Restaurant Zur Henne am Freitag wieder auf. Die Buchungslage des Hauses in Naumburg sei gut, sagte Schmidt. Insgesamt sei bei der Nachfrage aber noch Luft nach oben. Das gelte nicht nur für Hotels, sondern auch für Restaurants, die seit Freitag wieder ohne Sondergenehmigung öffnen dürfen. Rund 95 Prozent der Restaurants seien wieder geöffnet, so Schmidt. Auch deren Besitzer würden sich, wie die Hotelbetreiber, schon wieder auf Gäste aus anderen Bundesländern freuen.

Die dürfen laut dem Plan der Landesregierung ab dem 28. Mai wieder in Sachsen-Anhalt absteigen. Auch für diesen Zeitraum seien schon einige Buchungen eingegangen, sagte Schmidt. Die Regelung in Sachsen-Anhalt ist umstritten. Kritiker bemängelten unter anderem, dass in den Nachbarländern andere Fristen und Regeln gelten.

Das führte vor allem im Harz zu Problemen. Das Mittelgebirge gehört sowohl für Sachsen-Anhalt als auch für Niedersachsen zu den wichtigsten touristischen Regionen. Dennoch hatten sich die Regierungen in Magdeburg und Hannover nicht auf einen gemeinsamen Fahrplan zur Wiederöffnung verständigen können.

So dürfen die Hotels im niedersächsischen Harz erst am Montag wieder Touristen beherbergen - dafür dann aus allen Bundesländern. Die Restaurants im Westharz können dafür schon seit Tagen wieder öffnen, in Sachsen-Anhalt war dafür bislang eine Sondergenehmigung nötig. Auch in den kommenden Tagen werden in beiden Bundesländern noch unterschiedliche Regelungen gelten.

Das habe bei vielen Gästen zu Verwirrungen geführt, sagte die Geschäftsführerin des Harzer Tourismusverbands, Carola Schmidt. Den Touristen sei die Teilung des Harzes bei ihren Planungen gar nicht bewusst. "Die Leute sitzen zu Hause und überlegen sich, dass sie gern in den Harz fahren wollen." In welches Bundesland man dabei fahre, habe bisher nie einen Unterschied gemacht. "Der Harz ist für uns eine Destination".

Dennoch zeigte sich auch Schmidt erleichtert über die Wiedereröffnung am Freitag. "Wir fahren bisher mit angezogener Handbremse". Die Hoteliers seien "sehr, sehr froh", dass sie nun wieder öffnen könnten. Auch Schmidt ist wie ihr Namensvetter vom Dehoga zufrieden mit der bisherigen Buchungslage. "Wir sind sicherlich nicht an der Kapazitätsgrenze, aber eine gewisse Nachfrage ist da", sagte sie.

Quelle: DPA