Tour-Aus auch für Schachmann

Horrorstürze beim Zeitfahren der Tour de France - van Aert schwer verletzt

© Twitter, twitter

19. Juli 2019 - 23:40 Uhr

Schreckliche Szenen beim Tour-Zeitfahren

Das Einzelzeitfahren der Tour de France in Pau ist von Horrorstürzen überschattet worden. Am schlimmsten erwischte es Shootingstar Wout van Aert: Der Sieger der 10. Etappe vom vergangenen Montag nahm auf Bestzeitkurs zwei Kilometer vor dem Ziel eine Kurve zu eng und blieb in der Plane einer Streckenabsperrung hängen. Die Bilder des Sturzes waren schockierend und kaum mitanzusehen. An der gleichen Stelle erwischte es kurz darauf auch den deutschen Meister Maximilian Schachmann, der sich mehrere Knochen brach.

Van Aert: Notfallmaßnahmen auf der Strecke

Van Aert lehnte sich etwas zu weit in die Kurve, touchierte mit dem Oberkörper das Sicherheitsgitter und wurde bei hoher Geschwindigkeit förmlich vom Rad gerissen. Ärzte behandelten den am Boden liegenden 24-Jährigen über 15 Minuten mitten auf der Strecke, die dramatischen Szenen wurden von Helfern durch ein Tuch abgedeckt, um van Aert vor Gaffern und sich selbst zu schützen. Anschließend wurde er im Krankenwagen abtransportiert.

Van Aert erlitt bei dem Unfall eine tiefe Risswunde im rechten Oberschenkel und verletzte sich auch an der Schulter. Am Abend wurde der Belgier, eines der größten Talente im Radsport, im Krankenhaus von Pau operiert und dabei tiefe Fleischwunden genäht. Gebrochen hat sich van Aert wie durch ein Wunder nichts, die Heilung wird aber einige Zeit in Anspruch nehmen.

Van Aerts Teamchef beim Rennstall Jumbo-Visma schilderte die Minuten nach dem Sturz am Abend noch sichtlich erschüttert von den Bildern in seinem Kopf: "Es war ein furchtbarer Anblick. Wout sah sein offenes Bein und geriet in Panik. Es war ein schreckliches Bild. Er stand sofort auf und ging zur Seite. Ich sagte ihm, 'hinsetzen, nicht gehen'. Ich zog das Banner vom Zaun und lege es über ihn, damit er nicht auf die Wunde schauen kann. Ich sagte: "Schau es nicht an, weil es nicht hilft."

Das Video zum Sturz sehen Sie hier:

Schachmann bricht sich drei Knochen

Später krachte Schachmann an der gleichen Stelle ins Gitter, nachdem er die Kontrolle über sein Vorderrad verloren hatte. Der 25-Jährige riss sich dabei das Knie auf und trug Verletzungen an der Schulter und der linken Hand davon, auf die er beim Sturz gefallen war. Trotz der Blessuren stieg Schachmann noch einmal aufs Rad und quälte sich die letzten Meter mit höllischen Schmerzen ins Ziel.

Die Röntgenuntersuchung brachte kurz darauf Gewissheit: Schachmann hat sich drei Mittelhandknochen der linken Hand gebrochen - die Tour de France ist für den deutschen Hoffnungsträger damit vorzeitig gelaufen. Schachmann kündigte an, zur Behandlung schnellstmöglich nach Deutschland zu reisen.

"Ich bin schnell in die Kurve reingefahren, dann ist mir das Vorderrad weggerutscht. Ich habe es ausgesteuert, aber dann haben mir 20 Zentimeter gefehlt und es kam das Gitter", schilderte Schachmann zu seinem Unfall. Bis dato lag der deutsche Meister auf Kurs zu einer Top-Ten-Platzierung. Er hoffte zunächst noch darauf, die Tour eventuell fortsetzen zu können.

Das Zeitfahren gewann überraschend der Franzose Julian Alaphilippe vor Titelverteidiger Geraint Thomas. Der Franzose verteidigte damit das Gelbe Trikot des Gesamtführenden. In die morgige Bergetappe zum Col du Tourmalet geht der Spitzenreiter mit 1:26 Minuten Vorsprung auf Thomas.  Emanuel Buchmann liegt im Gesamtklassement auf Platz 6 (+3:04 Minuten).