Horror-Geburt: Kaiserschnitt ohne Narkose

Horror-Geburt: Kaiserschnitt ohne Narkose
Bei Christina Sommer wurde bei vollen Bewusstsein ein Kaiserschnitt durchgeführt.
dpa, A3913 David Ebener

Ärzte entschieden sich für Not-Kaiserschnitt

Bei vollem Bewusstsein operiert werden - ein echter Albtraum. Für Christina Sommer ist diese schlimme Vorstellung Wirklichkeit geworden. Ärzte schnitten der jungen Frau während der Geburt ihres Sohnes den Bauch auf, und zwar ohne Narkose. "Das ist wie bei lebendigem Leib aufgerissen zu werden", sagt die 22-Jährige. Nach dem schweren Ärztefehler lebt Christina Sommer mit einem Trauma.

Dabei hatte sie sich so auf die Geburt gefreut. Weil die Herztöne des ungeborenen Kindes kaum zu hören waren, entschieden sich die Ärzte für einen Not-Kaiserschnitt. "Ich habe gar nicht mehr realisiert, was um mich herum passiert", erinnert sich die junge Frau. Und plötzlich ging alles ganz schnell: Ab in den OP-Raum. Christina Sommer wurde an Geräte angeschlossen und fixiert.

Die 22-Jährige bekam eine sogenannte PDA - eine lokale Narkose, die die untere Körperhälfte betäuben soll. Doch die Betäubung wirkt nicht schnell genug. "Ich merkte, wie die Ärzte mich gestochen haben, um zu testen, ob ich noch was spüre. Ich habe auch ganz klar gesagt: 'Ich spüre das noch.'" Doch die Ärzte reagierten nicht auf Christinas Einwände, starteten die Operation.

"Mein Unterleib fühlte sich an, als ob der aufgerissen wird. Man kann das nicht beschreiben." Christinas Freund stand hilflos daneben. "Das waren keine Schmerzensschreie. Das waren Schreie, als würde jemand lebendig aufgeschlitzt oder erstochen. Das ging wirklich unter die Haut", sagt Sebastian Spohr.

Ärztefehler fällt erst auf, als das Kind schon da ist

Erst nach quälenden Minuten, fällt den Ärzten der Fehler auf. Christina bekommt endlich eine Vollnarkose, doch da ist der kleine Alexander schon fast auf der Welt. Als die junge Mutter später erwachte, kam die Erinnerung an das schreckliche Erlebnis sofort wieder zurück: "Ich war natürlich glücklich, dass der Kleine gesund und munter war. Aber meine Gedanken waren noch bei der Geburt. Ich habe viel geweint."

Die Mediziner gaben ihren Fehler sofort zu und haben sich mehrfach bei der jungen Mutter entschuldigt. Doch, wie es dazu kommen konnte, kann sich auch der Chefarzt nicht erklären. Dr. Götz Lauterbacher vom St.-Elisabeth-Hospital in Herten: "Uns tut es aufrichtig leid. Und wir sind als Institution Willens, zu unserer Verantwortung zu stehen."

Christina Sommer verlangt für ihre Schmerzen Geld. Sie will rund 50.000 Euro - die Klinik möchte aber nur 15.000 zahlen. Das reicht der Auszubildenden nicht. Sie hat noch immer Albträume - ein normales Liebesleben ist für sie auch 16 Monate nach der Horror-Geburt nicht möglich. Dabei wollte das junge Paar immer zwei bis drei Kinder. Mittlerweile ist Christina in psychologischer Behandlung. Nur wenn sie ihren Sohn lachen sieht, ist die Welt - zumindest für kurze Zeit - wieder in Ordnung.