Honorarstreit: 30.000 Ärzte wollen morgen streiken

© dpa bildfunk

10. Oktober 2012 - 19:23 Uhr

Schlichtung: Heute letzte Chance auf Einigung

Im Honorarstreit mit den Krankenkassen wollen morgen bundesweit 25.000 bis 30.000 niedergelassene Ärzte und medizinische Fachangestellte protestieren. Etliche Praxen sollen bei dem Aktionstag "Praxis ohne Mitarbeiter" ganz oder teilweise geschlossen bleiben. Die Patienten sollten vorher bei ihrer Praxis nachfragen, ob sie geöffnet habe oder mit reduziertem Personal arbeite.

Vor allem viele Orthopäden, Magen-Darm- und Herz-Spezialisten, Hals-Nasen-Ohren- und Lungenärzte würden ihre Praxen ganz geschlossen halten, so der Sprecher. Haus-, Kinder-, Frauen- und Nervenärzte sowie Psychiater dagegen würden tendenziell nur zeitweise dicht machen. Die größten Kundgebungen mit jeweils einigen tausend Teilnehmern seien in Frankfurt/Main, Köln, München, Düsseldorf, Augsburg, Nürnberg und Berlin geplant.

Die Proteste an verschiedenen Orten werden unabhängig vom Ausgang der Honorarverhandlungen stattfinden. Vertreter beider Seiten bemühten sich in Berlin, die verhärteten Fronten in Verhandlungen aufzubrechen. Das bisherige Schlichtungsergebnis von Ende August sieht für die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten ein Plus von 270 Millionen Euro im kommenden Jahr vor. Die Mediziner hatten ursprünglich 3,5 Milliarden Euro gefordert. Ein Kompromissangebot mit einem Zuwachs um rund eine Milliarde Euro lehnte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) als Mogelpackung ab.

Keine Unterstützung seitens der Bürger

"Wir werden auch einen Schlichterspruch gegen die Interessen der Ärzteschaft - und damit auch gegen eine Verschlechterung der ambulanten Versorgung unserer Patienten und Patientinnen - nicht akzeptieren", kündigte bereits der Sprecher der Ärzteverbände-Allianz, Dirk Heinrich, an. "Wir stellen uns auf einen langen Kampf ein, denn es geht hier um mehr als das Honorar." Die Krankenkassen mutieren nach seinen Worten "zu Sparkassen, weit weg von der medizinischen Versorgung in den Praxen und den gesundheitlichen Bedürfnissen ihrer Versicherten". Deshalb stellten die Ärzte inzwischen das ganze System in Frage.

Das monatliche Nettoeinkommen der Kassenärzte beträgt laut KBV nach jüngsten Zahlen durchschnittlich 5.442 Euro. Die Ausgaben der gesetzlichen Kassen für die Vergütung der Vertragsärzte stiegen von 33 Milliarden Euro 2010 auf 33,7 Milliarden im vergangenen Jahr.

Die Forderung nach mehr Geld findet laut einer Umfrage indes kaum Unterstützung bei den Bürgern. Nur sechs Prozent sind dafür, ermittelte Infratest dimap im Auftrag der ARD. Mit den Milliardenüberschüssen der Krankenkassen will die Mehrheit der Befragten lieber die Patienten entlasten. 39 Prozent stimmten für die Abschaffung der Praxisgebühr. Mehr als ein Drittel will den Kassen die Überschüsse als Polster für magere Jahre lassen.