11. Juni 2020 - 10:49 Uhr
Widerstand gegen China und das Sicherheitsgesetz
Tausende Menschen versammeln sich wieder auf den Straßen Hongkongs. Sie protestieren gegen ein extrem umstrittenes Vorhaben der chinesischen Regierung. Das sogenannte Sicherheitsgesetz soll Separatismus und Aufruhr in Hongkong offiziell verbieten. Es könnte die Demokratie in Hongkong stark einschränken.
Aktivist Joshua Wong hat mit RTL über Forderungen und Hoffnungen seiner Protest-Bewegung gesprochen.
Joshua Wong: „Nicht zu protestieren, ist keine Option für uns“
Die Coronavirus-Pandemie hat das öffentliche Leben lahmgelegt – auch die Demonstranten in Hongkong mussten ihre Protestaktionen beenden. Doch jetzt treibt das geplante Sicherheitsgesetz der chinesischen Regierung die Menschen wieder auf die Straße. Joshua Wong ist Aktivist und war im letzten Jahr einer der führenden Köpfe.
Der 23-Jährige wurde schon acht Mal festgenommen und landete drei Mal im Gefängnis. Dennoch setzt er sich weiter für ein autonomes Hongkong ein: "Jetzt ist nicht die Zeit, aufzugeben und Angst zu haben. Jetzt ist es an der Zeit aufzustehen und zurückzuschlagen. Wir werden genauso wie auch schon 2019 auf die Straße gehen und hoffen auf internationale Solidarität."
Hongkong-Aktivist: Angela Merkel soll Zeichen gegen Unterdrückung setzen

Mehrere EU-Politiker sprachen sich bereits gegen das geplante Gesetz aus und forderten stärkeren Einsatz, um die Freiheitsrechte in Hongkong zu schützen. Joshua Wong fordert auch von Deutschland deutliche Unterstützung: "Wir wünschen uns von Bundeskanzlerin Merkel, dass sie ein Zeichen gegen die Unterdrückung von Hongkongs Einwohnern setzt."
Da Hongkong eine ehemalige britische Kolonie ist, hat auch Premierminister Boris Johnson sich eingeschaltet. Er hat angeboten, die Einwanderungsgesetze anzupassen und Hongkonger in Großbritannien aufzunehmen. Für Joshua Wong und viele weitere Aktivisten ist das aber keine Option: "Das Land zu verlassen, kommt für mich nicht in Frage."
Hintergrund der Proteste in Hongkong
Bereits im Sommer 2019 begannen die Proteste in Hongkong gegen die eigene Regierung, Polizeibrutalität und den wachsenden Einfluss Pekings. Zudem fordern die Demonstranten freie Wahlen für das Amt des Hongkonger Regierungschefs und für das Parlament.
Demonstrationen eskalierten in gewaltsamen Zusammenstößen von radikalen Aktivisten mit der Polizei. Das neue Sicherheitsgesetz sieht vor, dass chinesische Sicherheitsorgane in solchen Fällen künftig Vertretungen in Hongkong unterhalten dürften. Es wäre ein Bruch mit der bisherigen Praxis. Die Demonstranten um Joshua Wong wollen das auf jeden Fall verhindern.



