Hohe Abgaben an den Staat: Mieten in Neubauten kaum bezahlbar

Seit 2004 Baukosten um 40% gestiegen

Einmal im Leben in einem Neubau wohnen – dieser Traum wird für viele wahrscheinlich niemals wahr werden können. Gesetze, Auflagen und Steuern treiben Baukosten und Mietpreise in die Höhe. Neue Wohnungen oder Häuser rechnen sich für Bauherren erst ab einer Kaltmiete von 10 Euro pro Quadratmeter. Für Familien mit mittlerem Einkommen ist das kaum erschwinglich. Eine Schieflage, von der Vater Staat profitiert.

Mieten in Neubauten kaum noch bezahlbar
Mieten in Neubauten sind kaum noch bezahlbar.
dpa, Oliver Berg

183 neue Wohnungen entstehen in der Nähe der Hamburger Speicherstadt, verteilt auf neun Gebäude, in denen viele Hundert Menschen leben werden. Wer es sich aber später wirklich leisten kann, hier zu wohnen, ist fraglich. Denn die Mieten werden kaum ein Schnäppchen sein, weil Bauen in den letzten Jahren extrem teuer geworden ist. Eine Studie von Mieterbund und Bauwirtschaft kommt zum Ergebnis, dass die Kosten seit 2004 um fast 40 % gestiegen sind. 14,9 % davon kommen allein durch Verwaltungsgebühren, Steuern und Bauvorschriften zustande.

Neubau für Kaltmieten unter zehn Euro nicht möglich

Das Problem: Mit einfachen Wänden und einem Dach ist es heutzutage längst nicht mehr getan. Die Ansprüche sind gestiegen, aber auch die gesetzlich vorgeschriebene Wärmedämmung und viele andere Zusatzausstattungen lassen die Preise explodieren. "Es kann nicht sein, dass heute einer, der ein normales Haus baut, Vorschriften beachten muss, die 50.000 Blatt Papier beschreiben lassen", sagt Lukas Siebenkotten vom Deutschen Mieterbund. "Da haben wir uns überreguliert."

Bezahlbare Wohnungen sind auch deshalb knapp, weil sich deren Bau für Investoren oft nicht lohnt. Für eine Rendite von 4 %, so rechnen die Verbände vor, muss die Kaltmiete rund 10 Euro pro Quadratmeter betragen. Familien mit mittlerem Einkommen können sich aber nur Wohnungen für 7 bis 8 Euro leisten, mit unteren Einkommen sogar nur bis 6 Euro.

Mieterbund und Branchenverbände fordern deshalb von der Regierung, die staatlich verordneten Zusatzkosten zu begrenzen, damit gerade in Ballungsgebieten mehr bezahlbarer Wohnraum entsteht. Solche Wohnungen sollten dann auch für Mieter erschwinglich sein, die das Geld nicht im Keller gestapelt haben.