Seltene Unterwasseraufnahmen aus Schottland

Vom Aussterben bedroht! Hier legen Glattrochen Eier ab

20. Oktober 2020 - 12:21 Uhr

Glattrochen akut vom Aussterben bedroht

Kaum ein Lebewesen gleitet so elegant unter Wasser wie der Dipturus batis, der Glattrochen. Er ist der größte Rochen an den europäischen Küsten – und akut vom Aussterben bedroht. Die Überfischung der Meere habe dazu geführt, das nur noch wenige seiner Art im Nordostatlantik zu finden sind, erklären Wissenschaftler. Doch nun machen Aufnahmen, die vor der Küste Schottlands entstanden sind neue Hoffnung. Taucher fanden auf dem felsigen Meeresboden eine der größten Eierablagestellen der Meerestiere. Die Bilder zeigen wir im Video.

Eine Stufe bis zur Kategorie: "In der Wildnis ausgestorben"

Der Glattrochen lebt vorwiegend im Ostatlantik, seltener auch in der Nordsee, in einer Meerestiefe von etwa 100 bis 500 Metern und wird im Handel auch als Seeforelle verkauft. Besonders große Exemplare können knapp drei Meter lang werden, für gewöhnlich hat er jedoch eine Länge von etwa 1,50 Meter. Anders als Hering oder Kabeljau haben sie nur sehr wenige Nachkommen, die in großen Eikapseln heranwachsen. Es dauert etwa 18 Monate, bis sie schlüpfen. Daher ist das Ausrottungsrisiko für solche Fische besonders groß.

Die Rote Liste der bedrohten Arten führt die Rochen bereits in der Kategorie "kritisch gefährdet" – die nächste Stufe lautet "in der Wildnis ausgestorben". Die meisten Fische fallen der modernen Fischerei zum Opfer. In der Nordsee werden sie laut der Fachzeitschrift "Aquatic Conservation" mit Grundschleppnetzen gefangen, um deren "Flügel", also die beiden seitlichen Körperteile abzutrennen und zu essen. Der Glattrochen könnte also die erste Fischart sein, die von der industriellen Fischerei ausgerottet wird, heißt es. 

Aktivisten fordert Schutz für die Rochen-Eier

Wie schwer es ist, einen Glattrochen, geschweige denn deren Eier im Meer zu finden, weiß Unterwasserfotograf und Naturschützer Chris Rickard. Er hat die Aufnahmen im Video erstellt. "Ich habe fast tausend Tauchgänge im Meer um Schottland gemacht. Das gibt Ihnen eine Vorstellung davon, wie selten sie gesehen werden", erklärt er. Ob genug Zeit bleibt, bis die Rochen schlüpfen, bleibt fraglich, meint Rickard. Denn der Meeresgrund werde mehrere Monate lang von Fischern mit speziellen Baggern nach Jakobsmuscheln abgesucht. Dadurch werde das gesamte Gebiet vernichtet, erklärt er.

Und obwohl die Tiere vom Aussterben bedroht sind und geschützt werden müssten, gäbe es bisher keinen Schutz für dieses Gebiet, sagt Bally Philip von der "Scottish Creel Fishermen's Federation". Deshalb fordern Aktivisten die schottische Regierung auf, das Fischen in der Region zu verbieten, um die Eier zu schützen. Die Regierung in Edinburgh will den Fall nun sorgfältig prüfen und entsprechende Maßnahmen ergreifen, heißt es. 

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