Polizeigewalt in Afrika

"Hört auf unsere Kinder zu töten!" - EndSARS-Proteste in Nigeria gehen viral

21. Oktober 2020 - 9:48 Uhr

Die Polizeieinheit SARS soll abgeschafft werden

Viele Straßen Nigerias sind voll mit Menschen, die für ihr Recht demonstrieren. Ihr Recht auf ein Leben in Freiheit und Frieden. Anfang Oktober verbreitete sich ein Video wie ein Lauffeuer im Internet: Zu sehen ist, wie ein Schwarzer Mann von der Spezialeinheit der Polizei SARS gedemütigt wird. Nach Angaben der Zeitschrift "The Continent", stirbt der Mann an diesem Tag. Die Polizisten sollen später mit dem Auto des Toten davongefahren sein.

Besonders junge Menschen fühlen sich von der Spezialeinheit gedemütigt und gehen auf die Straße, denn viele von ihnen haben selbst negative Erfahrungen gemacht.

Größte nationale Proteste des demokratischen Nigerias

"Ich bin hergekommen, um gegen das Töten meiner Kinder, gegen das Töten unserer Kinder und das Töten unserer jungen Bevölkerung zu demonstrieren [...]", schreit Demonstrantin Adepju Diyo während eines Protestes. Sie wünscht sich ein friedliches, neues Nigeria. Sie ist nicht die einzige an diesem Tag. Die SARS (Special Anti-Robbery Squad), ist eine Spezialeinheit der nigerianischen Polizei, die auf besonders schwere Verbrechen spezialisiert ist. Stattdessen berichten hunderte Menschen unter dem Hashtag #EndSARS von ihren Begegnungen mit der Spezialeinheit. Frauen, die als Prostituierte beschimpft werden oder Menschen die von der eigenen Polizei ausgeraubt wurden. Es scheint, als hätte beinahe jeder junge Mensch eine gewaltvolle Erfahrung mit der SARS gemacht.

Zehn Menschen starben bei den Demonstartionen, aber die SARS gibt es nicht mehr

Obwohl erst seit Anfang Oktober demonstriert wird, verzeichnet Amnesty International bereits zehn Tote bei den Protesten. Auf Twitter rufen die Menschen zu friedlichen Demonstrationen auf, doch jetzt kippt die Stimmung. Bilder brennender Häuser, Videos von Schüssen in die Menge und Warnungen vor Tränengas. Vergangenen Sonntag hatte Polizeichef Moghammes Adamu nach Angaben von "The Continent" verkündet, dass die SARS abgeschafft werden soll. Es solle eine neue Einheit, die SWAT (Special Weapons and Tactis Team) geben, kein Mitglied der SARS dürfe dort arbeiten. Trotz dieses Erfolges kommt es zu weiteren Forderungen – und zu mehr Gewalt der Polizei gegen die eigene Bevölkerung.

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Was die Black Lives Matter-Bewegung mit #EndSARS zu tun hat

Nigeria ist ein Produkt der Kolonialgeschichte – die  Republik ist noch sehr jung. Protestantin Oyindamola Salaudeen bezeichnet den Vorgang der Kolonialisierung als "Gehirnwäsche", bei der schwarzen Menschen ihre Wertigkeit abgesprochen wurde. Um den Afrikanischen Kontinent unter den damaligen Großmächten aufzuteilen und den brutalen Umgang zu rechtfertigen entsteht in den 1880er Jahren in der Parisergesellschaft für Anthropologie die Rassenlehre. Diese behaupten fälschlicherweise, dass es einen Unterschied zwischen Schwarzen und Weißen gäbe.

Ebenso wie die Black Lives Matter-Bewegung, versuchen die Menschen in Nigeria jetzt, den tiefsitzenden Rassismus in der Gesellschaft zu durchbrechen.Die EndSARS-Bewegung ist somit nicht nur zu ein Kampf gegen die Polizeigewalt im eigenen Land, sondern auch gegen Schmerz von Schwarzen allgemein.