10. Juli 2019 - 14:59 Uhr

Streit um Kyffhäuser-Treffen

In der AfD gibt es mal wieder Streit um Björn Höcke. Rund 100 Parteimitglieder haben einen Brief gegen den Rechtsausleger der Partei unterzeichnet, den sie "Appell für eine geeinte und starke AfD" nennen. Sie sind sauer wegen eines Auftritts Höckes beim Kyffhäuser-Treffen der AfD Thüringen.

Protestbrief aus den eigenen Reihen

Im Protestbrief gegen Höcke heißt es: "Mit seiner Rede beim Kyffhäuser-Treffen am Sonnabend hat Björn Höcke die innerparteiliche Solidarität verletzt und ist damit unseren Wahlkämpfern und Mitgliedern in den Rücken gefallen". Der Kyffhäuser ist ein Mittelgebirge in Thüringen, im dortigen Leinefelde hatte sich Höcke mit seinen Getreuen getroffen.

Seine Getreuen, das sind vor allem die Mitglieder der besonders weit rechts stehenden AfDler. Diejenigen also, die viele für rechtsextrem halten, manche gar als Neonazi-Sympathisanten sehen. "Flügel" nennt Höcke seine Gruppe innerhalb der Partei. Und genau der bereitet den gemäßigteren AfDlern in anderen Bundesländern Sorge. "Der überwiegende Teil der Mitgliedschaft lehne den "exzessiv zur Schau gestellten Personenkult" um Höcke ab, wie er bei dem Treffen des Flügels am Samstag zelebriert wurde.

Ein Auftritt mit Fanfaren und Fahnen

Höcke war nicht einfach ans Rednerpult getreten - stattdessen wurde eine Fanfare eingespielt, die Gäste wurden aufgefordert, Deutschlandfahnen zu schwenken und "donnernden Applaus" für zu spenden. Der schritt dann langsam von ganz hinten durch den Saal nach vorn und hielt mehrmals an, um Hände zu schütteln und zu winken. Der Auftritt wirkte so, als ob Höcke gerade zum Bundeskanzler gewählt worden wäre - so triumphal trat er auf. Der Applaus blieb allerdings verhalten.

Auch von ganz oben bekommt Höcke einen Rüffel. Parteichef Jörg Meuthen zeigte Verständnis für die Kritik. "Dieser Aufruf wundert mich nicht, denn der Unmut und die massive Kritik über das Auftreten und manche Äußerungen des thüringischen Landesvorsitzenden sind in der Partei sehr vernehmlich", sagte Meuthen. Aber: Unterzeichnet haben Meuthen und auch der andere Vorsitzende Alexander Gauland den Brief nicht.

Gauland auf Kyffhäuser-Treffen

Gauland war auch selbst zum Kyffhäuser-Treffen gekommen. Dort äußerte er verhaltene Kritik: Die AfD sei nicht gegründet worden, um "einen Raum zu schaffen, in dem jeder alles sagen kann". Damit spielte er auf die Kritik an, die AfD sei ein Sammelbecken für mehr oder weniger verkappte Rechtsextreme. Genau das also, was dem "Flügel" von Höcke vorgeworfen wird. Das ist auch für die gesamte Partei ein Problem. Denn so lange Leute wie Höcke geduldet sind, bleibt die Partei für viele unzufriedene Konservative wohl unwählbar – und damit könnte Höcke bei Wahlen ein Klotz am Bein für die AfD werden.