Ausschreitungen in Corona-Hochhaus

Hochhaus-Krawalle: Prozesse gegen mutmaßliche Quarantäne-Randalierer aus Göttingen

Die Polizeikräfte wurden am 20. Juni vor dem Hochhaus unter anderem mit Steinen und Flaschen attackiert.
© dpa, Swen Pförtner, spf fdt

19. April 2021 - 14:54 Uhr

Hochhaus wird zum Hotspot - das war passiert

Es passiert am 20. Juni 2020: Mit Pflastersteinen, Flaschen, Metallstangen und Holzlatten werden Polizisten vor einem riesigen Wohnkomplex in Göttingen angegriffen. Bewohner versuchen offenbar, Absperrungen zu durchbrechen. Vorangegangen war eine zweiwöchige Quarantäne für alle 700 Bewohner des Hochhauses, welche von der Stadt aufgrund von 120 positiven Coronafällen in dem Wohnkomplex verhängt wurde. Am Montag starteten zu diesem Vorfall weitere Prozesse am Amtsgericht Göttingen gegen vier Angeklagte wegen versuchter und gefährlicher Körperverletzung sowie schwerem Landfriedensbruch – ein Urteil fiel bereits.

"Wir wollten raus zum Einkaufen für unsere Familien und Kinder"

Die Bewohner des Wohnkomplexes an der Groner Landstraße in Göttingen wehrten sich gegen eine allgemein geltende Quarantäne für alle 700 Bewohner.
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Am Montag verurteilte das Gericht einen 32-Jährigen wegen Landfriedensbruch und Körperverletzung zu einer Geldstrafe. Der dreifache Familienvater entschuldigte sich vor Gericht, ihm tue die Tat leid. Er habe nur für sich und seine Familie einkaufen wollen. Außerdem habe er nicht gewusst, dass die Quarantänemaßnahme sofort gelte und sich beim Rausgehen von den Polizisten angegriffen gefühlt. Dies lies der Richter so nicht gelten, die Informationslage sei ausreichend gewesen. Wegen des Diebstahls und Weiterverkaufs von Fahrrädern verurteilte das Gericht den Mann für den Straftatbestand der Hehlerei ebenfalls zu einer Geldstrafe. Insgesamt beläuft sich das Strafmaß auf 150 Tagessätze á 15 Euro.

Gericht berücksichtig Ausnahmesituation

Die juristische Aufarbeitung der Vorfälle von vor acht Monaten ist bereits in vollem Gange, einige Verfahren sind inzwischen abgeschlossen. So erhielten weitere Angeklagte Geldstrafen bis zu 100 Tagessätzen. In einem Fall erhielt ein Angeklagter, der als Hauptakteur zählt, eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Urteile des Gerichts fallen vergleichsweise milde aus, da sich die Angeklagten in einer Ausnahmesituation befunden hätten, erklärte Gerichtssprecher Oliver Jitschin im Gespräch mit RTL Nord.

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