26. Juni 2019 - 13:23 Uhr

Erste Elektrobusse sind im Einsatz, die neue U-Bahn-Station Oldenfelde liegt in den Endzügen und mehr Fahrzeuge sind bestellt: Die Hamburger Hochbahn will ihr Angebot ausbauen, um noch mehr Menschen dazu zu bewegen, in den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen. Denn 2018 ist die Zahl der Fahrgäste bei den Bussen und U-Bahnen des Anbieters nur moderat gestiegen: Zwar erreichte sie mit rund 465 Millionen Fahrgästen einen Rekord, er lag aber nur 0,8 Prozent über dem Vorjahreswert, wie die Hamburger Hochbahn als Betreiber der Verkehrsmittel am Mittwoch mitteilte. Im Jahr davor hatte der Zuwachs noch 3,3 Prozent betragen.

"Wir müssen Kapazität nachschieben, weil es auch um den Komfort geht", sagte Hochbahn-Chef Henrik Falk. Angebote wie neue Bus-Linien und schnellere Taktungen müssten von den Bürgern zudem erst wahrgenommen werden, bevor sie dann genutzt würden. Mittelfristig geht Falk von einem wieder deutlicheren Zuwachs aus, zumal er mit anderen öffentlichen Verkehrsanbietern noch mehr Nahverkehrsangebote zum nächsten und übernächsten Fahrplanwechsel auf den Weg gebracht hat.

Für das Partyvolk soll es beispielsweise künftig auf der gesamten U-Bahnlinie 3 in den Wochenendnächten einen 10-Minuten-Takt geben, statt wie bisher nur zwischen Schlump und Berliner Tor. Diese Taktung soll bei der U-Bahn in Großteilen des Netzes zum diesjährigen Fahrplanwechsel ganztägig garantiert werden. Er halbiert sich dann zum darauffolgenden Fahrplanwechsel montags bis freitags zwischen 06.00 Uhr und 21.00 Uhr auf den Linien U1, U2 und U3. Sukzessive soll es noch schneller gehen. Eine Nacht-Express-Buslinie bedient die Strecke von der Innenstadt nach Harburg.

Das Bus- und Bahnfahren dürfte abgesehen von günstigeren Senioren- und voraussichtlich Azubi-Tickets nicht preiswerter werden: "Es ist schlichtweg ein Denkfehler, dass radikale Preissenkungen Autofahrer weg von ihren Fahrzeugen bringen", sagte Falk. Entscheidend sei, wie komfortabel das öffentliche Angebot für den Einzelnen ist.

Um es auszubauen, investiert die Hochbahn rund 200 Millionen Euro in weitere 32 Fahrzeuge der jüngste U-Bahn-Generation DT5, um im Jahr 2022 dann 163 auf der Schiene zu haben. Zusätzlich zur ohnehin vorgesehenen Beschaffung wurden weitere 25 Gelenk- und Großraumbusse bestellt. Die Flotte der Elektro-Busse soll 2019 von derzeit fünf auf 30 steigen. Seit Jahresanfang führen alle U-Bahnen und E-Busse mit Ökostrom aus Windparks, die jünger als sechs Jahre sind, berichtete Falk. Bis Ende 2029 wolle die Hochbahn komplett klimaneutral sein.

Insgesamt vervierfacht die Hochbahn ihre Investitionen in diesem Jahr verglichen mit 2012 auf 417 Millionen Euro. Dadurch werden auch die Abschreibungen zulegen sowie - wegen zusätzlich benötigter Busfahrer und Zugführer - die Personalkosten steigen. Der unverändert hohe Kostendeckungsgrad von 92,2 Prozent 2018 (2017: 92,9 Prozent) werde nicht zu halten sein, berichtete Finanzvorstand Helmut König. Die Stadt gleicht den Verlust des städtischen Unternehmens von 51 Millionen Euro 2018 (2017: 45 Mio) aus.

Quelle: DPA