Von Nordenham bis Hessen

Hoch radioaktiver Atommüll rollt am Wochenende durch Deutschland

Vorbereitungen auf Castor-Transport
Vorbereitungen auf Castor-Transport
© dpa, Sina Schuldt, ssd tba

30. Oktober 2020 - 15:09 Uhr

Atommüll soll Samstagmorgen per Schiff in Nordenham ankommen

Helikopter kreisen über dem Hafen von Nordenham, vermummte Polizisten sichern das Gelände. Bereits am Freitag (30. Oktober 2020) bereitet die Polizei sich auf die brisante Ladung vor, die am Samstagmorgen den Hafen erreichen soll. Sechs Castoren mit hoch radioaktivem Atommüll sind auf dem Weg vom britischen Sellafield nach Deutschland. In Nordenham werden sie auf einen Güterzug verladen. Ziel ist das Zwischenlager im südhessischen Biblis.

Atomkraftgegner planen Proteste

Ab Freitagabend (30. Oktober 2020) soll es laut Protestbündnis "Castor stoppen" eine Dauermahnwache in Nordenham geben. Die Klimaschützer rechnen mit der Ankunft des Schiffes am Samstagmorgen (31. Oktober 2020) um sieben Uhr. Eine Stunde vorher planen sie eine Paddeldemo auf der Weser. Auch am Samstag soll es entlang der möglichen Transportstrecken Aktionen geben, unter anderem Mahnwachen in Oldenburg, Bremen, Nienburg und Göttingen. Die Aktivisten fordern die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen weltweit. Das Bündnis "Castor stoppen" ruft aber auch dazu auf sich in Corona-Zeiten verantwortungsvoll gegen Atomkraft zu wehren. Dazu heißt es: "Bei der Vielfältigkeit der Aktionen achten wir darauf, dass wir uns gegenseitig nicht gefährden und verschiedene Aktionsformen nebeneinander möglich sind."

Castortransport in Corona-Zeiten

Die Polizei und der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius hatten im Vorfeld Sorge wegen der Pandemie. Im Frühjahr war der Castortransport bereits einmal verschoben worden –wegen Corona. Pistorius hätte sich das jetzt wieder gewünscht: "Ich hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer in einem Schreiben insbesondere vor dem Hintergrund stark ansteigender Infektionszahlen meine Bedenken mitgeteilt. Mit weitreichenden Hygienekonzepten werden wir alles dafür tun, die Polizeibeamtinnen und –beamten, sowie die Demonstrantinnen und Demonstranten vor einer Infektion zu schützen." Der Gewerkschaft der Polizei geht das nicht weit genug. GdP-Landesvorsitzender Dietmar Schilf fordert im RTL-Interview den Castortransport so lange abzustellen, bis die Infektionszahlen wieder sinken.

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Tausende Polizisten im Einsatz

Welche Route der Güterzug mit den Atommüllbehältern genau nehmen wird, ist geheim. Entweder geht es über Bremen, Hannover und Göttingen Richtung Hessen oder über Oldenburg, Leer und Papenburg. Entlang der gewählten Strecke werden tausende Polizisten im Einsatz sein. Für den Fall, dass die Einsatzkräfte übernachten müssen, hält die Bundepolizei Einzel- und Doppelzimmer vor. Zudem seien die Beamten auf Corona getestet worden. Man gehe davon aus, dass es in den Reihen der Polizei kaum Infektionen gebe.

Warum muss der Atommüll überhaupt durch Niedersachsen?

Der hoch radioaktive Abfall kommt ursprünglich aus deutschen Atomkraftwerken. Er wurde zur Wiederaufbereitung ins englische Sellafield gebracht und muss jetzt zurück nach Deutschland. Im Zwischenlager Biblis in Südhessen wird er eingelagert. Da immer mehr Atomkraftwerke vom Netz gehen, werden auch die Transporte weniger. Laut Heinz Smital von Greenpeace ist dies die letzte Ladung aus dem britischen Sellafileld. Allerdings wird es noch drei Transporte aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague in Frankreich geben.