Wird immer schlimmer: Stürme, Hitzewellen, Starkregen

Fünf vor zwölf war gestern - Die Klimakrise ist doch schon da

28. November 2021 - 8:32 Uhr

Macht 1 Grad denn wirklich was aus?

Extreme Hitzewellen, Überschwemmungen, Meeresanstieg - das sind nur drei Konsequenzen, die uns blühen, wenn die globale Temperatur ansteigt. Christian Häckl erläutert im Video ganz genau, was schon bei einem Grad mehr passiert. Dabei ist seit den 1950er Jahren schon weltweit zu spüren: Die Extremwetterereignisse wie Stürme, Unwetter oder Hitzewellen mehren sich. Ursache ist mit hoher Wahrscheinlichkeit die menschengemachte Erderwärmung, wie der Weltklimarat IPCC in seinem jüngsten Sachstandsbericht bilanziert.

Klimakrise? Es ist schon soweit

Klimakrise hat schon längst begonnen in Form von Stürmen, Hitzewellen, Dürren, Fluten.
Haben die den Schuss noch nicht gehört? Dabei sind wir mitten drin im Sturm der Klimakrise.
© iStockphoto

Diesmal hat ein ganz neutraler Beobachter die Daten ausgewertet: Eine von künstlicher Intelligenz unterstützte Auswertung von mehr als 100.000 Studien deutet darauf hin, dass mindestens 85 Prozent der Weltbevölkerung die Folgen des Klimawandels bereits spüren. Auch wer bisher nicht selbst betroffen war, kommt an den Katastrophennachrichten kaum noch vorbei.

Hitzewellen

Der Sommer 2021 - in Deutschland war es im Vergleich zu den Jahren 1991 bis 2020 durchschnittlich 0,3 Grad wärmer, aber ein Hitzesommer war das nicht. Anders im Süden Europas. In Italien, Spanien, Griechenland ließ Bruthitze von weit mehr als 45 Grad Celsius die Temperaturrekorde purzeln und Menschen leiden. Waldbrände in Folge von Hitze und Trockenheit folgten. Auch im Nordwesten der USA und in Kanada wurden Ende Juni nie gesehene Werte von annähernd 50 Grad gemessen. Die Abweichung vom langjährigen Mittel war so groß, dass Forscher zu dem Schluss kamen: Ohne den menschengemachten Klimawandel sind diese Temperaturen kaum zu erklären.

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Dürre

Nicht zuletzt in Folge von Hitzewellen sind Dürren häufiger und heftiger geworden. Die Helmholtz-Klimainitiative zählt etwa den Mittelmeerraum, Westasien, viele Teile Südamerikas sowie einen Großteil Afrikas und Nordostasiens auf - mit entsprechenden Folgen für Landwirtschaft und Nahrungsversorgung. Gerade jetzt sind zum Beispiel Zehntausende Menschen auf Madagaskar vom Hungertod bedroht, weil es auf der Insel im Indischen Ozean seit vier Jahren keinen Regen gegeben hat. Aber auch in Deutschland werden seit Jahren in verschiedenen Regionen staubtrockene Böden, Niedrigwasser in Flüssen sowie Waldbrandgefahr registriert.

Waldbrände

Griechenland, Olympia: Feuerwehrleute bekämpfen einen Waldbrand in der Nähe der Stadt Olympia. Einsatzkräfte sind nach wie vor im Einsatz und bekämpfen Waldbrände. Das Feuer nördlich von Athen ist erneut voll aufgeflammt. Foto: Giannis Sp
Im August kämpften Feuerwehrleute einen Waldbrand in der Nähe der griechischen Stadt Olympia.
© dpa, Giannis Spyrounis, TS aju pat

Wärmere Sommer und längere Trockenphasen verstärken das Risiko von Waldbränden. Ausgetrocknete Pflanzen und Böden werden dann zum Pulverfass. Wenn ein Feuer entfacht wird, kann es sich sehr schnell über große Flächen ausbreiten. Ob im Süden Europas, an der US-Westküste, in Australien, in Sibirien oder auch in Brandenburg: Häufige Dürreperioden schwächen die Wälder und machen sie anfälliger für Brände, bestätigen Experten des WWF. Durch die Erderhitzung ist künftig häufiger mit solchen Extremereignissen zu rechnen.

Die Kehrseite von Hitze und Trockenheit sind Fluten: "Wir haben mehr Wasserdampf in der Atmosphäre, was extreme Regenfälle und tödliche Überschwemmungen verstärkt", erläuterte jüngst Petteri Taalas, Generalsekretär der Weltwetterorganisation (WMO). Nach deren Erkenntnissen machen Stürme und Überschwemmungen fast 80 Prozent der wetter- oder klimabedingten Katastrophen seit 1970 aus.

Stürme

Immer häufiger richten die Stürme große Schäden an.
Hurrikan Ida isorgte in den USA für einige Zerstörung
© AP, Hannah Ruhoff, HR

Die wärmer werdenden Ozeane tragen dazu bei, dass Tropenstürme und Hurrikans gefährlicher werden. Dabei erhöht sich nicht unbedingt ihre Anzahl, sondern vielmehr wüten etwa atlantische Wirbelstürme heftiger und schwächen sich über Landmassen langsamer ab. Zuletzt hatte Hurrikan IDA mit Wind und Wasser schwere Verwüstungen angerichtet, als er im US-Bundesstaat Louisiana auf Land traf. Noch abgeschwächt brachte er der Region um New York im US-Nordosten heftige Regenfälle und katastrophale Überschwemmungen.

Starkregen

Überschwemmung im Ahrtal
Die nach massiven Regenfällen angestiegene Ahr hat viele Dörfer überflutet. Foto.
© deutsche presse agentur

Die Bilder der Flutkatastrophe im Juli, die besonders den Westen Deutschlands und Belgien traf, bleiben präsent: Nach Rekord-Regenfällen stiegen Flüsse über die Ufer, die Wassermassen zerstörten die Infrastruktur einer ganzen Region und rissen Hunderte Menschen in den Tod. Nach Aussage der Forscherinitiative World Weather Attribution lässt sich zwar dieses singuläre Ereignis nicht unmittelbar auf den Klimawandel zurückführen. Wohl aber zeigten Klimamodelle, dass die Wahrscheinlichkeit und Intensität solcher Starkregenfälle steigt - und sich diese Veränderungen in einem sich rasch erwärmenden Klima in Westeuropa fortsetzen werden. Auch global gesehen hat sich laut einem Studienüberblick der Plattform 'Science Brief' die Anzahl der Starkregentage mit der fortschreitenden Erderwärmung erhöht.

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(avo)