Leichtathletik-WM in Katar

Hitze-Drama beim Frauen-Marathon

190927 Desi Jisa Mokonin of Bahrain is being taken care of by medical staff after competing in women"!s marathon during
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01. Oktober 2019 - 16:03 Uhr

Hitze, Hitze, Hitze bei der Leichtathletik-WM in Katar - auch um Mitternacht

Der WM-Marathon war extra tief in die Nacht verlegt worden. Doch es half nichts: Der 42,195 km-lange Lauf durch Doha artete zu einer Hitzeschlacht sondergleichen aus - und das vor einer traurigen Zuschauerkulisse.

Marathon-Siegerin Ruth Chepngetich bricht nach Interview zusammen

Athletics - World Athletics Championships - Doha 2019 - Women's Marathon - Doha, Qatar - September 28, 2019  Kenya's Ruth Chepngetich celebrates winning the race REUTERS/Dylan Martinez
Auch Siegerin Ruth Chepngetich kämpfte mit der Hitze
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Schweißgebadet erreichte die Kenianerin Ruth Chepngetich nach 2:32:43 Stunden das Ziel und holte das erste WM-Gold für Kenia. Schon die Zeit spricht für sich: Es war die langsamste Siegerzeit der WM-Geschichte.

Die Hitzeschlacht über die 7 km lange Strandpromenade der katarischen Hauptstadt forderte ihre Opfer: Nur 40 der 68 gestarteten Teilnehmerinnen kamen ins Ziel. 28 Sportlerinnen mussten entkräftet aufgeben, viele medizinisch versorgt werden. Die Bedingungen waren brutal: 32,7 Grad und 73,3 Prozent Luftfeuchtigkeit herrschten an der Strecke. Diejenigen, die ankamen, schimpften über den Wettkampf.​

"Es war schrecklich"

"Es war wirklich beängstigend, einschüchternd und entmutigend", sagte die Kanadierin Lyndsay Tessier, die Neunte wurde: "Ich bin einfach nur sehr dankbar, dass ich auf den Beinen ins Ziel gekommen bin." Es sei "alarmierend", dass so viele Läuferinnen aufgeben mussten. Selbst die Bronzemedaillengewinnerin Helalia Johannes gestand: "Ich kann nicht sagen, dass ich das Rennen genossen habe."

Die in Berlin geborene Deutsch-Palästinenserin Mayada Al Sayad war froh, als sie nach 3:10:30 Stunden völlig erschöpft als Vorletzte das Ziel quälte. "Es war schrecklich", sagte die 26-Jährige  der ARD. "Mein Herz hat gerast, ich habe mich noch nie so schlecht gefühlt."

Gespenstische Szenen beim Frauen-Marathon in Katar

Auch Siegerin Chepngetich war von der Hitze ausgeknockt. Beim letzten Interview 20 Minuten nach dem Zieleinlauf kippte die Kenianerin plötzlich nach vorne. Ein Offizieller packte die neue Marathon-Weltmeisterin gerade noch am Arm.

Auf aufmunternde Anfeuerungen konnten die Athletinnen kaum setzen. Nur am Anfang standen noch zahlreiche Zuschauer an der Strecke. "Die Fans haben nach den ersten Runden das Interesse verloren", sagte die amerikanische Läuferin Carrie Dimoff.

Das werden wohl auch die Geher merken, die am Samstag über die 50 km als nächste auf die Strecke "dürfen".