Mahnwache nach fünf Toten auf Hamburgs Straßen

Hinz&Kunzt fordert: „Bringt endlich die Obdachlosen in Hotels unter“

Mahnwache in Hamburg
© RTL NORD

13. Januar 2021 - 17:30 Uhr

Situation für Obdachlose ist alarmierend

Das kalte Wetter, die Nässe der letzten Tage und der Stress durch die Corona-Pandemie machen vielen Obdachlosen zu schaffen. Viele scheuen die Sammelunterkünfte aus Angst sich mit dem Virus anzustecken. Das Straßenmagazin Hinz&Kunzt fordert mit einer Mahnwache vor dem Hamburger Rathaus mehr Unterbringungsmöglichkeiten für Obdachlose in Hotelzimmern.

Traurige Folge von Todesmeldungen innerhalb von einer Woche

11.01.2021, Nordrhein-Westfalen, Köln: Ein Mensch liegt in der Innenstadt in einem Schlafsack im Eingang zu einem Geschäft. Besonders für Wohnungslose ist der Lockdown eine harte Zeit. Durch die fehlenden Touristen und Einkaufenden fehlen auch die Ei
Obdachloser in Hauseingang
© dpa, Henning Kaiser, kay

An Silvester stirbt ein 48-Jähriger nahe den Landungsbrücken, einen Tag später wird ein 59-Jähriger tot auf seiner Isomatte im Schanzenpark aufgefunden. Am zweiten Januar stirbt ein 65-Jähriger auf dem Altonaer Hauptfriedhof, in der Nacht zum vierten Januar wird ein 45-Jähriger tot unter der Überdachung eines Mehrfamilienhauses in Altona von einem Passanten entdeckt und mitten auf der Reeperbahn wird am achten Januar ein weiterer Mann um die 60 tot aufgefunden. In allen Fällen ermittelt die Polizei, die jedoch nicht von Fremdverschulden ausgeht.

"Diese traurigen Todesmeldungen sind Folgen der Verelendung auf Hamburgs Straßen, auf die große Teile der Hamburger Obdachlosenhilfe seit Monaten hinweisen", sagt Hinz&Kunzt-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer.

Winternotprogramm der Stadt unzureichend?

Mehr als 1000 Schlafplätze stehen seit November für Bedürftige im Winternotprogramm der Stadt zur Verfügung. Doch in den drei Großunterkünften bleiben aktuell rund 300 Betten frei, stellt Landespastor Dirk Ahrens fest. "Viele Obdachlose scheuen die Großunterkünfte des Winternotprogramms der Stadt. Weil Zimmer immer mit mehreren Personen belegt werden, gab es jedes Jahr Obdachlose, die Angst vor Kriminalität hatten und zu große Nähe mit unvertrauten Menschen scheuten. Dieses Jahr kommt die Angst vor Corona dazu," so Ahrens weiter.

Unterbringung in Hotels bisher nur durch Spenden möglich

Während die Sozialbehörde versichert, dass alle Einrichtungen des Winternotprogramms über Hygienekonzepte verfügen, gehen Obdachloseninitiativen davon aus, dass nur eine Unterbringung in Einzelzimmern von Hotels oder Hostels wirklich sicher ist. Mit Hilfe von Spendengeldern konnten bereits Hotelzimmer angemietet werden, doch auch die Stadt sei in der Verantwortung: "Diakonie, Alimaus und Hinz&Kunzt haben mittlerweile 90 Obdachlose mit Hilfe von Spendengeldern in Hotelzimmern untergebracht. Wir ermutigen die Stadt, uns darin zu folgen", fordert der Landespastor. Unterstützung bekommt er dabei von den Bürgerschaftsfraktionen der CDU und Die Linke. Beide Parteien fordern zu dem Thema eine Sondersitzung im Sozialausschuss.