Bringen neue Zeugenaussagen die Wende?

Hinrichtung von Todeskandidat Rodney Reed ausgesetzt - US-Promis kämpfen für ihn

16. November 2019 - 10:56 Uhr

Seit 21 Jahren im Todestrakt

Seit 21 Jahren sitzt Rodney Reed im US-Bundesstaat Texas in der Todeszelle wegen Mordes. In wenigen Tagen sollte er durch die Giftspritze hingerichtet werden. Allerdings bestehen an seiner Schuld schon lange erhebliche Zweifel. Er selbst beteuert von Anfang an seine Unschuld. Jetzt hat ein Gericht in Texas die Hinrichtung ausgesetzt. Auch weil viele Menschen dafür gekämpft haben.

Tatwaffe nie auf Reeds DNA untersucht

Demonstranten hatten am Mittwoch im texanischen Bastrop gefordert, Reed freizulassen und ein neues Verfahren für den 51-Jährigen auf den Weg zu bringen. Auch Politiker, Prominente - darunter Reality-Star Kim Kardashian und die Sängerinnen Beyonce und Rihanna - und der EU-Botschafter in den USA hatten sich in den Fall eingeschaltet. Eine Petition verzeichnete mehr als 2,9 Millionen Unterschriften - mit Erfolg. Ein Gericht im Bundesstaat Texas hat die geplante Hinrichtung vorerst gestoppt. Das teilte die Organisation Innocence Project mit, die den Betroffenen Rodney Reed vertritt.

Reed sitzt nach Angaben der Organisation seit 1998 wegen des Mordes an einer jungen Frau in der Todeszelle. Ihm wird vorgeworfen, die Supermarktangestellte Stacey Stites 1996 vergewaltigt und mit ihrem Gürtel erwürgt zu haben. Dass seine DNA an dem Mordopfer gefunden wurde, erklärt er mit einer Affäre mit der Frau und einvernehmlichem Sex am Tag der Ermordung. Die Anwälte Reeds deckten Schlampereien in den Ermittlungen auf - so wurde die Tatwaffe nie auf DNA-Spuren untersucht und Reed hatte zum Tatzeitpunkt ein Alibi. 

"Worte können die Hoffnung und die Erleichterung nicht beschreiben"

Neue Zeugenaussagen belasten den damaligen Verlobten Stites. Der Ex-Polizist Jimmy Fennell sitzt selbst im Gefängnis. Er hatte während seines Dienstes eine Frau entführt und sexuell missbraucht und wurde Jahre nach dem Tod seiner Verlobten zu zehn Jahren Haft verurteilt. "Der Ex-Verlobte des Opfers hat den Mord einem Zellengenossen gestanden. Das hat dieser eidesstattlich erklärt", sagte Sheila Jackson Lee, die den Bundesstaat Texas im US-Repräsentantenhaus vertritt. 

Als Reed von der Entscheidung erfuhr, war Kim Kardashian nach eigener Aussage bei ihm. Sie postete ein Foto und schrieb: "Worte können die Hoffnung und die Erleichterung nicht beschreiben, die in diesem Moment den Raum erfüllt haben."