Hinrichtung von geistig Behindertem Warren Lee Hill aufgeschoben

Warren Lee Hill Hinrichtung Todesstrafe
Warren Lee Hill hat einen IQ von 70 und die geistigen Fähigkeiten eines 12-Jährigen, sagen seine Verteidiger.
dpa, Georgia Department Of Correction

Gnade oder nur ein Aufschub?

Seit 22 Jahren wartet der verurteilte Mörder Warren Lee Hill im Todestrakt im US-Bundesstaat Georgia auf seine Hinrichtung. Seit 19 Jahren streiten sich die Anwälte vor Gericht, ob Hill geistig behindert ist. Hill hat nach Angaben seiner Anwälte einen Intelligenzquotienten von 70 und die geistigen Fähigkeiten eines 12-Jährigen, und Hinrichtungen geistig Behinderter sind in den USA seit 2002, in Georgia sogar seit 1988 – also vor Hills Verurteilung – verboten.

Der Staat Georgia sieht Hills Behinderung nicht als erwiesen an und weigert sich deswegen, das Todesurteil auszusetzen. Nach den Gesetzen von Georgia muss eine Behinderung lückenlos und zweifelsfrei bewiesen werden, was nur sehr schwer zu bewerkstelligen ist.

Jetzt sollte Hill hingerichtet werden, man hatte ihm schon das Sedativum zur Vorbereitung der Giftspritze gegeben, als das Bundesberufungsgericht in Atlanta entschied, die Hinrichtung mindestens 30 Tage lang aufzuschieben. Damit ist das Todesurteil allerdings nicht aufgehoben, dennoch ist der Streit um Hills Behinderung neu entfacht, da die Richter in Atlanta in ihrer Urteilsbegründung festhielten: "Alle Experten – die des Angeklagten und die des Staates – scheinen einig zu sein, dass Hill tatsächlich geistig behindert ist."

Zuvor hatte das oberste Gericht von Georgia das letzte Gnadengesuch Hills abgelehnt, und auch der Oberste Gerichtshof der USA hatte keinen Aufschub gewährt, was als Zeichen gesehen wird, dass das Urteil irgendwann wohl vollstreckt wird.

Dann aber fiel das Urteil in Atlanta, und Hills Anwalt, Brian Kammer schöpfte Hoffnung: "Ich bin froh, dass Warren ernsthaft unter die Lupe genommen wurde." Wie es nun mit Hill weitergeht, ist offen.

US-Medien zufolge war Hill vor dem Hinrichtungstermin auf eigenen Wunsch hin bereits ein Beruhigungsmittel verabreicht worden, als die Gerichtsentscheidungen zum Stopp per Telefon eintrafen. Demnach setzte eine Bundesberufungsinstanz in Georgia die Hinrichtung zwecks weiterer Prüfung des Arguments der geistigen Behinderung aus.

Eine weitere staatliche Instanz blockierte die Vollstreckung wegen der Exekutionsmethode. Die Verteidiger Hills und anderer zum Tode verurteilter Häftlinge hatten dem Medienbericht zufolge beanstandet, dass die Giftspritze in Georgia nur noch eine Chemikalie statt bisher drei enthält - und dieser einzelne Stoff ohne irgendeine ärztliche Verschreibung verabreicht werde.

Wegen eines Einspruchs gegen die Hinrichtungsmethode war Hill bereits im Sommer vergangenen Jahres knapp der Hinrichtung entgangen. Er hatte 1986 seine 18-jährige Freundin getötet, dafür eine lebenslange Freiheitsstrafe erhalten und 1990 dann einen Mithäftling erschlagen. Dieser zweite Mord trug ihm die Todesstrafe ein.