Bewohner wollen keine neuen Adressen

Hilgermissen: Das Dorf ohne Straßennamen

04. Februar 2019 - 18:54 Uhr

Chaos aus Tradition

Wer ohne Navi ins niedersächsische Dörfchen Hilgermissen fährt, begibt sich in einen regelrechten Irrgarten. Straßennamen gibt es hier nämlich nicht, die Hausnummern scheinen wahllos zusammengewürfelt zu sein. Eine Wahl am Sonntag hätte dem ein Ende bereiten können. Doch die Entscheidung der Bürger sieht anders aus: Das traditionelle Chaos soll bleiben. Wir haben uns bei den Dorfbewohner umgehört.

Hilgermissen teilte sich in zwei Lager

Das waren ein paar aufregende Wochen im beschaulichen Hilgermissen. Die hitzige Debatte um die Straßennamen spaltete das 2200-Seelen-Dorf in zwei Lager. Die einen sind stolz auf ihre traditionellen Adressen, die anderen dagegen einfach nur genervt von dem Chaos. Die Hausnummern werden nämlich seither nach Reihenfolge der Erbauung vergeben. Die Adresse setzt sich aus der Hausnummer und dem Namen des Ortsteils zusammen, zum Beispiel "Eitzendorf 24".

Nachdem im Juni letzten Jahres erste Diskussionen im Gemeinderat entflammten, sollten die Bürger am Sonntag über das Schicksal der Straßennamen entscheiden. Ein heikles Thema, wie die Bürger im Video erklären. Am Ende des Wahltages stand jedoch fest: 60 Prozent wollen die 250 Jahre alte Tradition fortführen – keine Straßennamen in Hilgermissen.

Hilgermissen ist übrigens kein Einzelfall: Auch andernorts verzichten Dörfer auf Straßennamen. So beispielsweise auch manche Gemeinden im Münsterland und Ostwestfalen.