Aber was ist, wenn das Virus mutiert?

Dexamethason scheint neue Hoffnung im Kampf gegen Corona zu geben

Ca. 2.000 Patienten wurden in einer klinischen Studie mit Dexamethason behandelt
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17. Juni 2020 - 15:01 Uhr

Dexamethason senkt Sterblichkeit bei Corona

Britische Forscher melden einen großen Erfolg bei der Suche nach einem Medikament gegen Covid-19. Mehr als 240 Wirkstoffkandidaten existieren bereits - einer davon wies besonders vielversprechende Resultate auf: Dexamethason. Bei klinischen Tests hat sich gezeigt, dass der Wirkstoff Dexamethason die Sterblichkeit von Erkrankten deutlich reduziert. Aber wirkt er auch, wenn das Coronavirus mutiert?

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Dr. Zinn: Dexamethason ist "leider kein Wundermittel"

Schon kleine Dosen des Wirkstoffs Dexamethason haben die Sterblichkeit von schwer erkrankten Covid-19-Patienten um bis zu einem Drittel gesenkt. Darauf weisen vorläufige Ergebnisse einer klinischen Studie hin, die noch nicht veröffentlicht sind und bisher nicht von anderen Experten begutachtet wurden. Die Erfolge von Dexamethason bezeichnen die beteiligten Forscher dennoch als "großen Durchbruch".

Nach Ansicht der an der Studie beteiligten Forscher sollte der Wirkstoff umgehend zur Standardbehandlung von Covid-19-Patienten werden. Ihr Ergebnis zeige, dass Dexamethason Leben retten könnte von Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind und künstlich beatmet werden, sagte Martin Landray, ein Professor der Oxford-Universität und Co-Leiter der sogenannten "Recovery"-Studie. "Und das zu erstaunlich geringen Kosten."

Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor Hygienezentrum Bioscientia, ist da allerdings etwas bescheidener. "Es ist leider kein Wundermittel. Die gute Nachricht ist: Wir kennen das Medikament schon lange und setzen es auch in der Intensivmedizin ein (...), andererseits ist das nicht der Durchbruch. Wir werden nicht jeden damit heilen können (...)."

Künstlich beatmete Patienten profitieren von Medikament

In der "Recovery"-Studie untersuchen Wissenschaftler die Eignung verschiedener bereits zugelassener Medikamente als Mittel gegen Covid-19. Insgesamt sind den Angaben zufolge mehr als 11.500 Patienten aus über 175 Kliniken in Großbritannien in die Studie aufgenommen. Der Dexamethason-Teil der Studie umfasste demnach insgesamt 2.104 Patienten, die für zehn Tage einmal täglich 6 Milligramm Dexamethason bekamen. 4.321 Patienten dienten als Kontrollgruppe.

Die Sterblichkeit nach 28 Tagen war unter den künstlich beatmeten Patienten am höchsten. Sie lag ohne Dexamethason-Behandlung bei 41 Prozent. In der Versuchsgruppe sank sie um ein Drittel. Bei den Patienten, die Sauerstoff bekamen, aber nicht künstlich beatmet wurden, sank sie um ein Fünftel. Bei den Patienten, die gar keinen Sauerstoff benötigten, zeigte die Behandlung keine Wirkung.

Dexamethason half bisher gegen entzündliche Erkrankungen

Dexamethason ist ein künstliches Steroidhormon, das entzündungshemmend wirkt und das Immunsystem dämpft. Es wird bisher gegen entzündliche Erkrankungen wie etwa Arthritis eingesetzt. So könnte das Mittel bei Covid-19 das Immunsystem von einer Überreaktion abhalten, welche oft bei schweren Verläufen maßgeblich beteiligt ist.

Laut Peter Horby, ebenfalls Co-Leiter der britischen Studie, ist es der bisher einzige Wirkstoff, der "gezeigt hat, dass er die Sterblichkeit verringern kann - und er verringert sie deutlich". Laut BBC hätte das Mittel bereits bis zu 5.000 Menschenleben retten können, wenn es bereits zu Beginn der Pandemie verfügbar gewesen wäre.

Großbritannien wird Dexamethason ab sofort zur Behandlung von Covid-19-Patienten einsetzen. Das Steroid-Medikament soll auf die Liste der Standardverfahren des Nationalen Gesundheitsdienstes gegen Covid-19 gesetzt werden, teilte Gesundheitsminister Matt Hancock mit.

Wirkt Dexamethason auch, wenn das Coronavirus mutiert?

"Jedes Virus kann durch eine Mutation gefährlicher oder ungefährlicher werden", so Dr. Georg-Christian Zinn. "Das Coronavirus mutiert aber wesentlich langsamer als andere Viren. Insofern sehe ich da jetzt keine besonders hohe Gefahr, dass es gefährlicher wird." Diese Erkenntnis hat also auch Auswirkungen auf mögliche Medikamente und Impfstoffe. "Wir sehen zwar Mutationen, aber nicht solche, die den Impfstoff, an dem wir arbeiten, unwirksam machen.", so Dr. Zinn. "Andererseits sehen wir beim Grippevirus, das es jeden Winter so mutiert, dass wir immer wieder einen neuen Impfstoff zusammenstellen müssen.", so Dr. Zinn. Die Gefahr bestehe beim Coronavirus allerdings nicht.

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