Schon 900 ehrenamtliche Helfer in Corona-Krise

Jung hilft Alt: Studenten organisieren Netzwerk in Hannover

17. März 2020 - 16:15 Uhr

Vor allem alte Menschen brauchen jetzt Hilfe

Die erheblichen Einschränkungen durch die Corona-Krise treffen alle. Doch besonders alte Menschen brauchen jetzt Hilfe. Sie sind als Risikogruppe stark gefährdet und sollten möglichst gar nicht in die Öffentlichkeit. Damit Senioren aber weiterhin versorgt werden, organisieren sich zunehmend Nachbarschaftshilfen. Und auch Familien rücken jetzt näher zusammen. Für die 15-jährige Pia Schulz aus Gehrden (Niedersachsen) ist es selbstverständlich, sich um ihre Großeltern zu kümmern. Wie sehr diese nun auf ihre Enkelin angewiesen sind, sehen Sie im Video.

Netzwerk wächst rasant

Statt für Klausuren zu büffeln, brüten Victoria Fricke, Maria Ravvina und Rebecca Dorsch in Hannover über ihrer Kartei. Sie notieren wie am Fließband Daten von ehrenamtlichen Helfern, die sich bereit erklärt haben, Senioren und gefährdete Menschen zu unterstützen. "Wir sind jung und wir sind gesund", sagt Victoria. "Wir wollen einfach denjenigen, die zur Risikogruppe gehören, Hilfe anbieten."

Vier Tage ist es her, seit die Studentinnen beschlossen haben, etwas tun zu wollen. Seitdem wächst die Helfer-Kartei unentwegt weiter - 900 Freiwillige haben sich schon gemeldet. "Eine grandiose Zahl, wir sind wirklich überwältigt", freut sich Victoria Fricke.

Essen holen, Gassi gehen

Die Idee der "Einkaufshilfe Hannover" ist simpel: Zwischen 10 und 16 Uhr können Senioren eine eigens eingerichtete Telefonnummer anrufen und Einkäufe bestellen. Die Organisatoren des Netzwerks schauen dann, ob ein Helfer in der Nähe wohnt und Zeit hat - und führt dann beide zusammen. Der Helfer holt eine Einkaufsliste ab, besorgt die nötigen Sachen und erhält das Geld dafür. Alles in Umschlägen und Tüten, um den direkten Kontakt zwischen beiden Seiten zu verhindern. "Da wird nicht Hände geschüttelt oder groß geschnackt", erklärt Victoria Fricke. "Das geschieht alles ohne Kontakt."

Auch ein Gassi-gehen-Service soll zum Angebot dazu kommen. Die ursprüngliche Idee, alte Menschen bei Bedarf zum Arzt zu fahren, mussten die Studentinnen wieder fallen lassen. Sie richten sich nach den Hygienevorschriften der Bundesregierung und des Robert-Koch-Instituts - demnach kämen sich die Menschen in einem Auto zu nah.

Helfer und Bedürftige zusammenführen

Per Social Media und Internet war es mehr oder weniger einfach, potentielle Helfer ausfindig zu machen. Damit die Bereitschaft aber auch umgesetzt werden kann, gehen Victoria Fricke und ihre Freundinnen den nächsten Schritt: "Die Hilfesuchenden erreichen wir leider nicht so schnell. Das ist jetzt unsere Mission." Dazu verteilen die Studentinnen Flyer, vor allem in Arztpraxen und Apotheken. Zudem beginnen sie gerade damit, die Texte auch ins Türkische und Arabische zu übersetzen. So hoffen sie, möglichst viele ältere Menschen zu erreichen - und vielen helfen zu können.