Kampf gegen Fahrraddiebstahl

Hier werden die meisten Fahrräder geklaut - und diese Forderung soll helfen

Ein zurückgelassenes Hinterrad eines Fahrrads. Foto: Martin Gerten/Archivbild
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04. September 2020 - 12:07 Uhr

Grüne wollen geklaute Räder ähnlich behandeln wie geklaute Autos

Viele Fahrradfahrer kennen es: Man kehrt zu seinem Fahrrad zurück und will losfahren und es ist einfach nicht mehr da – geklaut trotz angeblich extra-sicherem Schloss. Mehr als eine Viertelmillion Räder reißen sich Fahrraddiebe pro Jahr in Deutschland unter den Nagel. Die Polizei kann nicht einmal zehn Prozent davon wiederfinden. Die Grünen wollen das jetzt ändern.

Bremen führt Klau-Statistik an

Besonders in Bremen haben es Fahrradfahrer schwer: Pro 100.000 Einwohnern wurden dort laut Polizeilicher Kriminalitätsstatistik im Vorjahr 926 Fahrraddiebstähle gemeldet – trauriger Rekord in Deutschland. Auf den nächsten beiden Plätzen folgen die anderen beiden Stadtstaaten Berlin (788) und Hamburg (656). Am wenigsten Diebstähle wurden im Saarland (101) verzeichnet. Zwar wechselten im Vergleich zu 2018 insgesamt fünf Prozent weniger Räder unfreiwillig den Besitzer, bei Dieben sind vor allem teure Velos beliebt: Im Schnitt zahlten Versicherer 720 Euro pro gestohlenem Fahrrad - so viel wie nie zuvor (Vorjahr: 650 Euro). Was also tun?

Für den Kampf gegen Diebe gibt es verschiedene Ideen. Eine davon: Fahrräder ähnlich zu behandeln wie gestohlene Autos. Die Grünen wollen, dass in Zukunft nicht nur bundesweit, sondern in ganz Europa die Rahmennummern der verschwundenen Räder zur Fahndung genutzt werden. "Während gestohlene Autos europaweit gesucht werden, hört die Fahndung nach gestohlenen Fahrrädern an den Grenzen auf", sagte der radpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Stefan Gelbhaar. Organisierte Fahrraddiebe hätten so leichtes Spiel. "Analog zum Austausch gestohlener Autodaten müssen auch Rahmennummern gestohlener Fahrräder wenigstens europaweit ausgetauscht werden", forderte er.

Polizeigewerkschaft sieht Idee skeptisch

Vor allem auf hochwertige Bikes haben es Fahrraddiebe abgesehen
Vor allem auf hochwertige Bikes haben es Fahrraddiebe abgesehen
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Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht die Idee skeptisch. Klar sei, dass die dafür notwendigen, aufwendigen Ermittlungen viele Ressourcen verbrauchten, erklärte GdP-Vize-Vorsitzend Jörg Radek. "Und die hat die Polizei zumindest hierzulande nicht in ausreichendem Maße. Angesichts dessen bin ich skeptisch, dass eine Einspeisung der Radrahmennummern in europäische Polizeidatenbanken einen mittelfristig erkennbaren Effekt erzielen würde." Sinnvoller sei zunächst, das Rad mit möglichst wirksamen Diebstahlsperren zu sichern.

"Immer mehr Menschen steigen auf immer wertvollere Bikes", so Radek. Polizei-Kollegen im In- und Ausland hätten es oft mit gut organisierten Diebesbanden zu tun. "Diese Kriminelle nutzen offene Grenzen sowie Reibungsverluste unterschiedlicher Polizeistrukturen und -Ausstattungen, nicht ausreichend harmonisierte Gesetzgebung - und auch Personallücken." Die Polizeien in Europa würden aber immer besser und könnten etwa bei der Kinderpornografie oder Drogen- und Menschenhandel durchaus Erfolge aufweisen.

Vor allem Bahnhöfe sind Klau-Hotspots

Ein Mann verlässt mit seinem Fahrrad ein Fahrradparkhaus
An Bahnhöfen fehlen Fahrradparkhäuser
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Vor allem an Bahnhöfen verschwinden viele Räder. Der Fahrradclub ADFC bemängelt hier vor allem, dass es keine ausreichend großen und sicheren Fahrrad-Abstellanlagen gebe. Das sehen die Grünen auch so - Rad-Politiker Gelbhaar fordert ein Sonderprogramm für Fahrradparkhäuser an Bahnhöfen von mindestens 100 Millionen Euro pro Jahr.