23. Januar 2019 - 23:38 Uhr

Julia Klöckner und Gerd Müller stellen 10-Punkte-Plan vor

Wenn wir Schokolade essen, dann denken wir nur selten an die bittere Seite dieser Süßigkeit: Allein in Westafrika arbeiten bis zu 2,3 Millionen Kinder auf Kakaoplantagen. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Entwicklungsminister Gerd Müller wollen sich deshalb für fairen Handel einsetzen und einen 10-Punkte-Plan ausarbeiten, um den Kindern zu helfen. Sehen Sie im Video, wie hart Kinder in der Elfenbeinküste auf Kakaoplantagen schuften müssen.

"Ich hatte Kopfschmerzen, meine Haut hat gekratzt"

Guillaume sitzt in einem Dorf am Rande einer Kakaoplantage im Westen der Elfenbeinküste. Mit 14 Jahren musste er dort Pflanzenschutzmittel versprühen. "Da sind immer Tropfen abgeprallt. Ich hatte oft Kopfschmerzen und meine Haut hat gekratzt", erzählt er RTL. Guillaume war bis vor kurzem eines von rund einer Million Kindern, die in Westafrika auf Kakaofarmen schuften, damit wir Schokolade essen können.

In Afrika weiß dagegen kaum ein Kind, wie die süße Versuchung überhaupt schmeckt. Eine siebenköpfige Familie verdient auf einer Farm etwa 100 Euro im Monat. Zum Sattwerden reicht das nicht - daran ändert auch ein Fairtrade-Siegel nichts. Die Bundesregierung will das jetzt ändern.

Schokolade soll wieder glücklich machen

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) wollen, dass Schokolade wieder glücklich macht – die Kinder in Westafrika genauso wie hierzulande. Im Rahmen der Grünen Woche haben sie einen 10-Punkte-Plan für Kakao vorgestellt.

"Schokolade ist die Lieblingssüßigkeit der Deutschen. Aber Schokolade hat immer noch eine bittere Seite: Hungerlöhne, Armut, Kinderarbeit und Abholzung der Regenwälder müssen endlich der Vergangenheit angehören", sagte Minister Müller. Konkret wollen die beiden Minister zum Bespiel das Projekt "Pro Planteurs" mit über 300.000 Euro fördern, das Bauern und speziell Bäuerinnen in nachhaltiger Kakaoerzeugung schult und so vor Ort Perspektiven schafft.

Der Plan sieht auch vor, dass bis 2020 mindestens 70 Prozent des Kakaos in Deutschland aus nachhaltigem Anbau stammen soll. Zudem will sich die Bundesregierung für einen Kakaoanbau ohne missbräuchliche Kinderarbeit und für eine Stärkung der Rolle der Frauen im Kakaosektor einsetzten.

"Für mich sind Kinder zwischen null und sieben Jahre alt"

Ob die Maßnahmen greifen, ist schwer zu sagen. Kinderarbeit ist in der Elfenbeinküste eigentlich verboten. Doch Kontrollen gibt es kaum. Viele Kinder werden von Menschenhändlern aus armen Nachbarländern in die Plantagen der Elfenbeinküste verschleppt. Weil der Weltmarktpreis für Kakao in den letzten Jahren gefallen ist, sind Kinder als billige Arbeitskräfte für afrikanische Landwirte oft die letzte Möglichkeit, Kakao gewinnbringend anzubauen und zu ernten.

Guillaume hatte Glück. Aus Angst vor einer Bestrafung hat sein Onkel zugestimmt, Guillaume zur Schule gehen zu lassen. Die Tage, in denen er Unkrautvernichtungsmittel versprühen muss, sind vorbei. Die Erklärung seines Onkels dafür, dass es überhaupt so weit kommen konnte: "Auf der Flasche stand, man solle das Pestizid von Kindern fernhalten. Aber für mich sind Kinder zwischen null und sieben Jahre alt."