Heute vor einem Jahr: Straßenschlachten in Kairo

In der Nacht kam es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen in Kairo. Mubarak-Anhänger schlugen erbarmungslos zu.
In der Nacht kam es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen in Kairo. Mubarak-Anhänger schlugen erbarmungslos zu.
© dpa, Hannibal Hanschke

25. Januar 2015 - 19:49 Uhr

Eskalation am 'Platz der Befreiung' - Demonstranten weichen nicht zurück

Bewaffnete Anhänger des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak sind erneut in Richtung Tahrir-Platz im Zentrum Kairos gezogen. Sie hätten Messer und Stöcke bei sich gehabt, sagten Zeugen. Versammelt hätten sie sich im Stadtteil Giseh auf der anderen Seite des Nils und bewegten sich aufs Zentrum zu.

Diese offenbar vom Regime engagierten Schläger-Trupps - Viele Beobachter glauben, es seien Polizisten in zivil - hatten am Mittwoch aus dem Zentrum des Protestes, dem Tahrir-Platz in der Kairoer Innenstadt, ein Schlachtfeld gemacht.

Bei den Attacken mit Maschinengewehren und Stöcken seien fünf bis sechs Menschen ums Leben gekommen sein, berichtete der arabische Nachrichtensender 'Al-Arabija'.

Der Sender berief sich auf Augenzeugen. Bis zu 1.500 Menschen seien verletzt worden. Augenzeugen beklagten, dass die Armee nicht eingreife.

Überall gebe es Verwundete. Ein 'CNN'-Reporter berichtete, Ärzte behandelten Verletzte direkt auf der Straße, nähten ihre Wunden. Mehrere Rettungswagen fuhren auf den Platz.

Am Mittwoch gingen Bilder um die Welt, wie sich die beiden verfeindeten Lager gegenüberstanden und sich mit Steinen und Brandsätzen bewarfen. Es waren aber auch Schüsse zu hören. Ausländische Berichterstatter wurden ebenfalls attackiert.

Die Demonstranten haben nicht vor zu weichen. "Hier wird wieder Ruhe und Frieden einkehren, wenn Mubarak weg ist. Vorher nicht", sagte einer in die Kamera. Offenbar sind viele Ägypter bereit, ihr Leben für die Freiheit zu geben.

Angespannte Ruhe in der Stadt

Derzeit herrscht eine angespannte Ruhe in der Hauptstadt des 83-Millionen-Einwohner-Landes. Überall waren aus der Nacht noch Barrikaden und ausgebrannte Fahrzeuge zu sehen. Dennoch versuchen viele Ägypter ihrem Alltag nachzugehen.

Inmitten der Krise suchen die USA weiter Einfluss auf die Regierung in Kairo zu nehmen. Gestern telefonierte US-Außenministerin Hillary Clinton mit dem neuen ägyptischen Vizepräsidenten Omar Suleiman. Clinton habe von Suleiman eine Untersuchung der Übergriffe in Kairo verlangt.

Die Außenministerin habe dabei abermals die Gewalt verurteilt und die Verantwortung der ägyptischen Regierung betont, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, sagte Außenamtssprecher Philip Crowley der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge. Er wiederholte den Standpunkt der US-Regierung, wonach der politische Übergangsprozess sofort beginnen müsse. "Morgen ist nicht gut genug", sagte Crowley. Es müssten "sobald wir möglich" Wahlen stattfinden. "Wir wollen einen glaubwürdigen Prozess sehen, der zu freien, fairen und legitimen Wahlen führt", erklärte Crowley weiter.

Angesichts der Exzesse forderte Oppositions-Vertreter Mohammed el Baradei die Armee auf, weitere Angriffe der Mubarak-Anhänger auf die Demonstranten zu unterbinden. Die Armee müsse eingreifen, um das Leben ägyptischer Bürger zu schützen, sagte El Baradei in einem Interview mit Al-Dschasira. "Es gibt eindeutige Beweise, dass die Polizei ihre Männer in Zivilkleidung auf die Demonstranten gehetzt hat", sagte der Friedensnobelpreisträger.