Hetze nur noch Richtung Mekka: 'Die Partei' kapert über Nacht Dutzende AfD-Seiten

'Die Partei' hat mehrere geschlossene Gruppen von AfD-Anhängern infiltriert.
'Die Partei' hat mehrere geschlossene Gruppen von AfD-Anhängern infiltriert.

03. September 2017 - 19:44 Uhr

Seiten wurden monatelang infiltriert

Kurz vor der Bundestagswahl am 24. September hat 'Die Partei' einen massiven Angriff auf zahlreiche geschlossene AfD-Fangruppen gestartet. Wo sonst Anhänger der Rechtspopulisten unter sich sind und sich austauschen, hat nun die Satirepartei die Kontrolle übernommen. In monatelanger Kleinarbeit haben Mitglieder der 'Partei' die Seiten infiltriert. Jetzt sieht es dort ganz anders aus.

'Die Partei' kontrolliert jetzt 31 AfD-Gruppen

Alle Gruppen, die vorher nur für eingeladene Mitglieder zugänglich waren, sind nun öffentlich. So mancher AfD-Anhänger, der am Morgen auf die Seite klickte, dürfte nicht schlecht gestaunt haben, denn 'Die Partei' nahm einige "Verbesserungsmaßnahmen" vor. Die Namen und Titelbilder der Facebookgruppen wurden verändert und "einige Fehler korrigiert". Aus 'Freunde von Björn Höcke' wurde beispielsweise 'Freunde von Bernd Höcke', aus der Gruppe 'Heimat-Liebe' wurde 'Hummus-Liebe' und 'Die Wahrheit über die Antifa' heißt nun 'I love Antifa'. Wo vorher gegen Flüchtlinge gehetzt wurde, prangt nun Wahlwerbung für 'Die Partei'.

Mit falschen Accounts gelang es dem Team rund um den Satiriker Shahak Shapira, in die Gruppen aufgenommen zu werden und zu Administratoren aufzusteigen. Über Nacht übernahm 'Die Partei' nun nach eigenen Angaben die Kontrolle über 31 AfD-nahe Seiten mit über 180.000 Mitgliedern. Überall hinterließen sie ein Video, in dem Shapira als "Reichspropagandaleiter" erklärt, dass er und sein Team nun die Macht übernähmen.

"Hetze gegen Muslime immer gegen Mekka"

Die Gruppenmitglieder würden jetzt nur noch "von echten Menschen verarscht" und nicht mehr von Bots, die bei der Gründung der Gruppen zum Einsatz gekommen seien. Er verkündete außerdem die neuen Regeln, die ab sofort in den Gruppen herrschen. "Hetze gegen Muslime ist ab sofort immer gegen Mekka auszurichten", erklärte der Satiriker. Er forderte außerdem eine Mindestflüchtlingsquote für die Gruppen und erklärte, dass Kritik am "Gender-Irrsinn" geschlechtsneutral formuliert werden müsse.

Das Team beobachte die Seite seit November 2016, berichtete das 'Hamburger Abendblatt'. Mit viel Arbeit, Strategie und einer gehörigen Portion Glück sei es 'Partei'-Mitgliedern gelungen die Gruppen zu übernehmen. "Wer eine Facebookgruppe nicht aufrechterhalten kann wird es mit einem ganzen Land erst recht nicht schaffen", stellte Shapira am Ende seiner Botschaft klar.