Kneipen-Krise wegen Corona

"Dann lassen wir hier mal richtig die Sau raus": Dorf rettet Kneipe - und lässt den Wirt nicht hängen

13. Januar 2021 - 16:52 Uhr

Die "Op-de-Deel-Gbr" in Hetlingen

Im kleinen Dorf Hetlingen im Kreis Pinneberg stand die einzige Kneipe im Ort vor dem Aus. Doch 14 beherzte Nachbarn nahmen sich ein Herz, investierten viel Zeit und Geld und konnten ihr Lokal so vor dem Abriss retten. Gerade hatten sie wieder frisch eröffnet – dann kam Corona. Jetzt droht dem Highlight in Hetlingen schon wieder die Schließung, doch auch dieses Mal wollen die Hetlinger nicht klein beigeben.

Wie die vielen Helfer die Kneipe wieder zum Leben erweckt und so gerettet haben, sehen Sie im Video.

Seit November waren keine Gäste mehr da

Der 1. November war der letzte Tag, and dem man im "Op de Deel" noch vor Ort essen und trinken konnte. Seitdem gibt es das Essen nur noch am Wochenende und nur zum Abholen. 80 Prozent weniger Umsatz muss Pächter Andreas Sparwirth derzeit verzeichnen. Doch er ist nicht allein in der Krise. Denn der Gasthof gehört einigen Dorfbewohnern, genauer: Der Op-De-Deel GbR. Und die Mitglieder verzichten zurzeit auf die Pacht, um den Wirt zu unterstützen.

Wann kommen die Hilfen vom Staat?

"Wenn wir den jetzt nicht unterstützen, der hier coronabedingt pleite geht, um das mal so zu formulieren, wird das, glaube ich, jetzt in dieser Zeit extrem schwierig, einen neuen Pächter zu finden. Denn wer macht in der Coronazeit ein Restaurant auf? Das macht kein Mensch, so waghalsig ist kein Mensch", sagt Holger Martinsteg, Geschäftsführer der Op-de-Deel-GbR, im RTL-Interview.

Pächter Sparwirth ist auf Unterstützung angewiesen, denn die vom Staat zugesagten Hilfen kommen nicht. "Die Kosten laufen weiter. Und wir brauchen die Planungssicherheit, dass die Zusagen, die die Regierung gemacht haben, jetzt auch schnellstmöglich umgesetzt werden. Weil eine Novemberhilfe, die im Januar noch nicht geflossen ist, ist keine Novemberhilfe", erzählt er.

Hetlingen hält zusammen

"Die Dorfgemeinschaft verhält sich ganz, ganz toll. Die unterstützen uns sehr, das ist wie eine große Familie. Kommen regelmäßig hierher und holen das Essen ab. Und bestärken uns auch immer wieder darin, dass wir weiter machen sollen", sagt Andreas Sparwirth stolz. Und seine Gäste? Die freuen sich natürlich darauf, bald wieder in ihrer Kneipe feiern zu können: "Dann lassen wir hier mal richtig die Sau wieder raus, würde ich sagen."