Freiwillige vor!

Hessische Pflegeheime suchen händeringend nach Unterstützung

Alten- und Pflegeheime suchen Mitarbeiter.
© dpa, Frank Rumpenhorst, fru rho hus kde

22. Januar 2021 - 7:23 Uhr

Jede Hilfe ist willkommen

Zwar arbeiten Pflegekräfte in Zuge der Coronapandemie seit Monaten an der Belastungsgrenze – aber auch dieses enorme Engagement kann krankheits- oder quarantänebedingte Ausfälle in hessischen Heimen nicht gänzlich kompensieren. Aus diesem Grund suchen Pflegeheime händeringend nach Unterstützung, um die tagtägliche Arbeit bewältigen zu können.

Hessische Bevölkerung zeigt sich hilfsbereit

Die Corona-Pandemie führt wegen zahlreicher Krankheitsfälle in Pflegeheimen teils zu personellen Engpässen. Mehrere Landkreise suchen mittlerweile Freiwillige, um Einrichtungen zu unterstützen, in denen sich Mitarbeiter infiziert haben, erkrankt oder in Quarantäne sind. So startete der Landkreis Hersfeld-Rotenburg in der vergangenen Woche einen "dringlichen" Aufruf, weil eine Einrichtung in Bad Hersfeld Unterstützung brauche. "Gesucht werden Personen, die bereit sind, in dem betroffenen Heim auszuhelfen sowie Fachpersonal aus dem Pflegebereich", hieß es in der Mitteilung. Auf den Aufruf hin hätten sich binnen knapp einer Woche acht Personen gemeldet, darunter auch examinierte Krankenpflegekräfte, sagte ein Sprecher des Landkreises Hersfeld-Rotenburg.

Auch im Landkreis Gießen sind Freiwillige hochwillkommen. Um Hilfsbedarf und -angebote besser koordinieren zu können, hat der Landkreis einen Pflegepool ins Leben gerufen und dafür gezielt unter anderem die Justus-Liebig-Universität, die Arbeitsagentur sowie Vereine angesprochen, wie eine Sprecherin des Landkreises sagte. Interessierte Bürger könnten sich melden und über ein Formular online registrieren lassen, sagte die Sprecherin weiter. Bis Mittwoch dieser Woche hätten sich darüber 520 Personen gemeldet. Ebenfalls über den Pool hatte der Landkreis auch 35 Studenten dafür gewonnen, ältere und hilfsbedürftige Menschen bei Fragen rund um ihre Corona-Impftermine zu unterstützen.

Personalsituation in Pflegeheimen ohnehin schon angespannt

Grundsätzlich sehe man das Infektionsgeschehen und die damit verbundene Arbeitsbelastung der Mitarbeiter in den Alten- und Pflegeheimen mit Sorge. Schon vor der Pandemie sei die Personalsituation in vielen Einrichtungen auch wegen fehlender Fachkräfte angespannt gewesen, sagt Michael Schmidt, Vorstandsmitglied der Liga der Freien Wohlfahrtspflege. Er geht davon aus, dass noch bis Ostern mit coronabedingten Engpässen gerechnet werden muss. Freiwillige Helfer seien deshalb gerngesehen und sollten für ihren Einsatz auch angemessen bezahlt werden, so Schmidt. Das Geld dafür sei dank des bundesweiten Schutzschirms Pflege vorhanden, aus dem die Mittel refinanziert werden könnten.

Pflegeheimbesucher müssen sich ab Samstag (23. Januar) testen lassen

Um die Menschen in Pflegeheimen besser zu schützen, gelten von diesem Samstag (23. Januar) an strengere Regeln: Demnach dürfen Besucher solche Heime nur noch betreten, wenn sie einen aktuellen negativen Corona-Test vorweisen können. Laut Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) genügt jeweils ein Schnelltest, den jeder Besucher selbst organisieren könne. Bislang gab es bereits eine Testpflicht für das Personal zweimal pro Woche. Die Vorgaben gehören zu den vom hessischen Corona-Kabinett am Mittwoch beschlossenen Regelungen.

Quelle: DPA