Hessens Polizei im A49-Dauereinsatz

Besetzte Bäume, beschmierte Autobahnen und bekletterte Brücken - Umweltaktivisten geben nicht auf

Greenpeace-Protest  gegen Ausbau der A49 in Hessen
Greenpeace-Protest gegen Ausbau der A49 in Hessen
© dpa, Andreas Arnold, arn bsc

09. November 2020 - 11:43 Uhr

Wochenlanger Einsatz mit Großaufgebot

Seit rund einem Monat ist die Polizei wegen der Rodungen für und der Proteste gegen den Weiterbau der Autobahn 49 im Einsatz. Das Polizeipräsidium Mittelhessen hat heute auf einer Online-Pressekonferenz ein Fazit des bisherigen Einsatzverlaufes gezogen und einen Ausblick auf die kommenden Wochen gegeben. Die Rodungsarbeiten für den umstrittenen Lückenschluss der A49 laufen seit dem 1. Oktober, insbesondere im Herrenwald bei Stadtallendorf (Kreis Marburg-Biedenkopf). Die Polizei war an den von Protesten begleiteten Rodungstagen jeweils mit einem Großaufgebot vor Ort.

150 aktive Strafanzeigen gegen Umwelt-Aktivisten

Rund um die Proteste gegen den A49-Ausbau verzeichnet die Polizei bisher 150 Strafanzeigen und über 300 Ordnungswidrigkeiten. Die Beamten appellieren an die Protestler, ihren Unmut friedlich kundzutun und betonen, dass sie auch in Zukunft keine Straftaten dulden werden. Sie rechnen jedoch vor allem in Hinsicht auf die Räumung des Dannenröder Forsts mit gewaltbereiten Personen und aktiven Angriffen.

Protest ja, Gewalt nein

Ganz klar ist die Botschaft der Polizei Mittelhessen auf der Live-PK für die Zukunft. Während die Demonstrationen größtenteils friedlich verlaufen, gibt es eine Ansage für gewaltbereite Aktivisten: Wenn diese sich mit körperlichem Einsatz gegen die Räumungen in den betroffenen Waldgebieten wehren, wird auch die Polizei zu entsprechenden Maßnahmen greifen. 

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Dannenröder Forst: 400 Barrikaden, 100 Behausungen

Zum Tragen kommen die differenzierten Maßnahmen der Polizei in den kommenden Wochen im Dannenröder Forst. Demnächst sollen hier weiter Bäume gefällt werden, dann könnten die Proteste an Fahrt aufnehmen. Gegner lehnen den geplanten Lückenschluss der Autobahntrasse aus Klima- und Umweltschutzgründen ab, Befürworter erhoffen sich weniger Verkehrsbelastung in Dörfern der Region und eine bessere Anbindung für Pendler und Unternehmen.

Derzeit sind sämtliche Zufahrts- und Rettungswege verbarrikadiert, es gäbe laut Polizei Mittelhessen 400 Barrikaden aus Holz, Drähten und sogar Beton. 100 Behausungen – darunter Plattformen an Bäumen, Zelte und sogar richtige Häuser mit Solarpanelen zur dauerhaften Stromversorgung.

Waghalsige Aktionen für die Umwelt

Erst vor zwei Tagen hatten Umweltaktivisten eine Straße in Stadtallendorf mit einem Drahtseil überquert. In 15 Meter Höhe breiteten die A49-Gegner einen Banner mit der Aufschrift "Danni und Herri gegen den Ökozid" aus. Außerdem hatten Greenpeace-Aktivisten einen noch nicht freigegeben A49-Abschnitt bei Schwalmstadt mit dem Schriftzug "Autobahn", bei dem der erste Teil des Wortes durchgestrichen ist, verziert.

Weitere Aktionen gab es in den vergangenen Wochen auf den Autobahnen im Rhein-Main-Gebiet. An mehreren Stellen seilten sich hier Aktivisten von Brücken ab und brachten den Verkehr zum Erliegen. Die Abseilaktion vom 14. Oktober auf der A3 hatte sogar einen schweren Unfall zur Folge.