Hertha BSC: Youngster Schulz der neue Friedrich?

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15. November 2013 - 14:50 Uhr

Frech, pfeilschnell und niemals satt: Nico Schulz ist bei Hertha BSC auf der Überholspur. Letztes Jahr noch Teilzeitkraft in der 2. Bundesliga, mittlerweile ist der Flügelflitzer fester Bestandteil des Aufsteigers aus der Hauptstadt. Während seine Trainer Lobeshymnen auf ihn anstimmen, träumt der Youngster schon von der A-Nationalmannschaft - und bleibt trotzdem ganz bescheiden.

Eigentlich wird Schulz nachgesagt, dass er ein ruhiger Vertreter ist, doch davon ist auf dem Platz nicht viel sehen. Dann explodiert der 20-Jährige, der alles mitbringt, um sich in der Bundesliga durchzusetzen. Er ist schnell, technisch stark, lauffreudig und ehrgeizig. "Wir sind mit Nico sehr, sehr zufrieden. Ich hoffe, dass er sich weiter so toll entwickelt ", sagt sein Trainer Jos Luhukay, der Schulz längst als feste Größe sieht: "Er hat sich in der ersten Elf festgespielt."

Dabei hätte der Linksfuß seine Stiefel auch schon längst für europäische Top-Clubs schnüren können. Nicht nur die Bayern, auch der FC Liverpool und Manchester United hätten Schulz gerne in ihrer Jugend-Akademie gesehen, holten sich aber eine Abfuhr. "Ich bin ein Berliner Junge, ich liebe diese Stadt. Ich kann mir momentan nur schwer vorstellen, mal woanders zu leben. Hertha BSC ist eine Herzenssache für mich", erklärt Schulz auf der Vereins-Homepage.

Es sind Sätze wie diese, die Verantwortliche sowie Fans gerne hören, und zeigen, dass Schulz zu dem werden könnte, was die 'Alte Dame' schon seit Jahren nicht mehr hat: eine Identifikationsfigur, die für den Verein steht. Zuletzt galt Arne Friedrich als 'Mr. Hertha', der zwar in Ostwestfalen geboren wurde, in Berlin als Kapitän zum Nationalspieler reifte. Er war auch der letzte Hertha-Profi, der das DFB-Trikot der A-Auswahl tragen durfte.

Schulz: A-Nationalmannschaft bleibt mein Traum

Schulz, der mittlerweile seit 13 Jahren im Verein ist, hätte natürlich nichts dagegen, auch in Sachen Nationalmannschaft in die Fußstapfen von Friedrich zu treten. "Jeder bei Hertha wünscht sich, dass wir wieder so gut spielen, dass es irgendwann vielleicht wieder einer von uns in die deutsche A-Nationalmannschaft schafft", wurde er jüngst von der 'Mopo' zitiert: "Irgendwann wäre es schön, den Sprung zu schaffen. Das bleibt mein Traum."

Dass es nicht beim Traum bleiben muss, zeigt nicht nur die Entwicklung in der Bundesliga, sondern auch in der Junioren-Auswahl des DFB: U21-Trainer Horst Hrubesch gilt als großer Fürsprecher des Youngsters und nominierte ihn für die letzten EM-Qualifikationsspiele jener Auswahl, aus der heutige Spieler wie etwa Julian Draxler hervorgegangen sind. Den Schalke-Profi, mit dem er gemeinsam die U-Mannschaften beim DFB durchlaufen hat, bezeichnet Schulz "als Vorbild, das mich motiviert".

Im Gegensatz zu seinem Kumpel liegen Schulz' Stärken auch in der Defensive. Momentan spielt er zwar auf der offensiven Außenbahn, letzte Saison kam er aber auch als Linksverteidiger zum Einsatz. Damit steigen die Chancen auf eine Laufbahn in der großen DFB-Elf, die abgesehen von Dortmunds Marcel Schmelzer hinten links nur wenige Kandidaten mit Potenzial hat.

Bis das Thema A-Nationalmannschaft reift, will sich das Berliner Eigengewächs aber erst einmal im Haifischbecken Bundesliga frei schwimmen. "Ich habe noch Luft nach oben. Aber ich freue mich über das Vertrauen", blickt Schulz auf seine ersten Monate im Oberhaus zurück. Wie es sich für einen ehrgeizigen Profi gehört, ist es aber auch wichtig "dass man sich nicht auf seinen Leistungen ausruht und sich immer verbessern will", berichtet Schulz und denkt dabei wohl an seinen Traum und seine Herzenssache: Hertha BSC.