Mühsamer Weg zur Erholung

Herbstgutachten im Corona-Jahr: Keine schnelle Erholung der Wirtschaft in Sicht

15. Oktober 2020 - 8:07 Uhr

Folgen der Corona-Krise dauern länger als erhofft

Die Corona-Infektionszahlen steigen wieder stark an, Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Länderchefs ringen um Maßnahmen, um das Geschehen wieder in den Griff zu bekommen, und mitten hinein platzt nun das Herbstgutachten der Wirtschaft. Und dieses Gutachten birgt keine allzu guten Nachrichten: Die Folgen der Coronakrise werden Verbraucher, Arbeitnehmer und Unternehmen länger als erhofft beschäftigen. Das Vorkrisenniveau werde voraussichtlich erst Ende 2021 erreicht, heißt es in der Herbstprognose führender Wirtschaftsforschungsinstitute. Nach beispiellosen Einbrüchen dürfte die Wirtschaft demnach erst Ende 2022 wieder normal ausgelastet sein.

Unklar, wie hoch die Zahl der Insolvenzen ausfällt

Größter Unsicherheitsfaktor für die Prognose bleibt der ungewisse Pandemieverlauf. Die Infektionszahlen in Deutschland sind zuletzt stark gestiegen. Außerdem sei nicht sicher, wie viele Unternehmen durch die Pandemie in ihrer Existenz bedroht seien und wie stark eine Insolvenzwelle ausfalle. Dazu komme die Frage, wie sich die derzeit schwache Weltwirtschaft weiter entwickelt.

Die Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen für das Jahr 2020 mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 5,4 Prozent. Die Bundesregierung geht mittlerweile von einem Minus von 5,8 Prozent aus. Für 2021 erwarten die Institute einen Zuwachs um 4,7 Prozent. 2022 dürfte die Wirtschaftsleistung um 2,7 Prozent zulegen.

Langer und mühsamer Aufholprozess

Angesichts des Lockdowns im Frühjahr im Kampf gegen das Virus war die Wirtschaftsleistung in Deutschland im zweiten Quartal eingebrochen. Die meisten Ökonomen erwarten bisher, dass auf den steilen Absturz ein steiler Aufschwung folgt. Nun rechnet man mit einem etwas längeren, mühsamen Aufholprozess.

Die Erholung wird laut Experten durch die Branchen gebremst, die in besonderem Maße auf soziale Kontakte angewiesen sind - etwa Gaststätten und Tourismus, das Veranstaltungsgewerbe oder der Luftverkehr. In diesen Bereichen gibt es immer noch zum Teil massive Beschränkungen. Getragen wird die Erholung von den Exporten, die besonders drastisch eingebrochen waren.

Die Krise belastet auch weiter den Arbeitsmarkt. Obwohl das Kurzarbeitergeld von vielen Betrieben in Anspruch genommen wird, seien bis August 670.000 Arbeitsplätze weggefallen..

Allerdings scheint aus Sicht der Institute die Talsohle am Arbeitsmarkt durchschritten zu sein. Die Arbeitslosenquote dürfte in diesem und im kommenden Jahr bei 5,9 Prozent liegen und 2022 leicht auf 5,5 Prozent zurückgehen, nach 6,4 Prozent in diesem Sommer.