26. Juni 2019 - 12:56 Uhr

Dauercamper soll mit Komplizen in Lügde Kinder missbraucht haben

40 Kinder sind auf dem Campingplatz "Eichwald" im westfälischen Lügde missbraucht worden. Ein 56-jähriger Dauercamper soll mit einem 33-jährigen Komplizen über Jahre die Taten begangen und die Kinder dabei gefilmt haben. Im Interview mit RTL-Reporter Uli Klose äußert sich Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul zu dem Fall. Das Thema Lügde habe ihn belastet, gesteht der Politiker. "Es berührt einen ja auch, es regt einen ja auf, es treibt einen ja ewig um." Im Video erzählt der Innenminister, wie der Fall seine Wahrnehmung, was Kinderpornografie angeht, verändert hat.

Polizei hätte Anzeigen ernster nehmen müssen

Campingplatz "Eichwald" in Lügde
Ein Kindertretauto und ein Hüpfball liegen vor der Parzelle des mutmaßlichen Täters auf dem Campingplatz "Eichwald" in Lügde.
© dpa, Guido Kirchner, gki cul

Als die Polizei Lippe dem Innenministerium Mitte Januar 30 bis 40 Fälle von Kindesmissbrauch meldete, sei dies nicht auf seinem Schreibtisch gelandet, erklärt der Innenminister. Seine Mitarbeiter nimmt Reul in Schutz, denn die hätten nun mal den Angaben im Bericht vertraut. Und er könne nachvollziehen, dass ein Mitarbeiter keinen Grund zur Aufregung sehe, wenn im Bericht stünde: "Wir haben die Sache im Griff, wir stocken jetzt unser Personal noch mal auf."

Die Polizei habe die Dimension des Falles aber unterschätzt. "Eindeutig. Da, glaub ich, gibt's nix zu beschönigen." In zwei Fällen hätte man Hinweise aus der Bevölkerung und die Anzeigen ernster nehmen müssen. "Sie sind nicht an die Staatsanwaltschaft weiteregegeben worden, das war der Fehler."

Herbert Reul: "Stein umdrehen"-Aussage war "kein kluges Bild"

Seine zu Beginn der Ermittlungen getroffene Aussage, er wolle jeden Stein auf dem Campingplatz in Lügde umdrehen, sei "kein kluges Bild" gewesen. Dafür, dass ein Abbruchunternehmen Datenträger fand, die die Polizei zuvor nicht entdeckt hatte, gibt es laut Reul eine plausible Erklärung: Das gefundene Beweismaterial habe sich möglicherweise im Boden oder in den Wänden befunden und sei nicht sichtbar gewesen. "Wenn Sie ein Gebäude abreißen, finden Sie immer noch mal was." Ob die Polizei das Holzhaus vorher hätte abreißen können, sei eine juristisch schwer zu beurteilende Frage.

Innenminister entschied sich gegen Besuch der Familien der Opfer

Er habe anfangs überlegt, die Familien der Opfer zu besuchen. Von Fachleuten habe er aber gelernt, dass er nicht konkret hätte helfen können und womöglich der Eindruck eines Politiker-"Tourismus" entstanden wäre. "Ich glaube, mehr konnte ich dadurch helfen, dass ich mich darum bemüht habe, dass die möglichst gut betreut werden." Auch wenn er "emotional" zu den Familien habe fahren wollen, kommt der Minister zu dem Schluss: "Ich glaube, es war richtig, es nicht zu machen."