Henry Maske im RTL-Interview zum Kampf Tyson vs. Jones jr.

"Da werden nicht zwei Boxer im Röckchen stehen"

27. November 2020 - 14:04 Uhr

Kampf steigt in der Nacht zum Sonntag

Für Henry Maske hat der Showkampf zwischen den früheren Box-Weltmeistern Mike Tyson (54) und Roy Jones Jr. (51) am Wochenende durchaus seine Berechtigung. Die einstigen Stars aus dem Schwergewicht steigen in der Nacht zu Sonntag (2.30 Uhr/Sky) im Staples-Center von Los Angeles zu einem Legendenfight in den Ring. Dass dabei die Fäuste fliegen werden, davon ist Maske überzeugt. "Hier geht es natürlich auch um Show, aber da werden nicht zwei Boxer im Röckchen stehen - und das ist nicht despektierlich gemeint." Wie der "Gentleman" das Aufeinandertreffen insgesamt einschätzt, sehen Sie oben im Video.

Mike Tysons wichtigste Kämpfe

Klar, dieser Fight zählt nicht zu den wichtigsten im Leben von Mike Tyson. Da gab es ganz andere. Als Newcomer betrat "Iron" Mike 1986 die große Kampfbühne spektakulär. Seine letzten Höhepunkt erlebt er 2002 gegen Lennox Lewis – mit einer krachenden Niederlage. Wir haben Tysons wichtigste Kämpfe im Überblick:

22. November 1986: Mike Tyson gegen Trevor Berbick

Der Newcomer namens Mike Tyson war 20 Jahre und 144 Tage alt, als er die Welt das Fürchten lehrte. Nur zwei Runden brauchte der Junge aus Brooklyn, der noch nie verloren und 25 seiner 27 Gegner K.o. geschlagen hatte, bis er auch WBC-Weltmeister Trevor Berbick die Lichter ausknipste. Wie entfesselt ging Tyson auf den letzten Gegner von Muhammad Ali los und krönte sich im Eiltempo zum jüngsten Schwergewichts-Champion der Geschichte. Am Ende, nach dem letzten Treffer eines albtraumhaften Schlaghagels, taumelte Berbick völlig orientierungslos durch den Ring. Und die Legende Mike Tyson war geboren.

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11. Februar 1990: Mike Tyson gegen James Douglas

In Tokio geschah im Februar 1990 das Unfassbare. Tyson hatte nach seinem ersten WM-Triumph alle neun Kämpfe gewonnen, nach der Titelvereinigung 1987 gegen Tony Tucker war er der unumstrittene König des Boxens. Umso erschütternder, dass ihn der haushohe Underdog James Douglas in der zehnten Runde in fataler Art und Weise erwischte. Vorher hatten zahlreiche Meldungen über Skandale in Tysons Privatleben und Gerüchte über eine schlechte körperliche Verfassung die Runde gemacht, aber damit hatte niemand gerechnet. Wie der Weltmeister hilflos über den Ringboden krabbelte, brannte sich in die Gehirne ein.

16. März 1996: Mike Tyson gegen Frank Bruno

Tysons Rückkehr an die Spitze dauerte viele Jahre. Drei Jahre saß er wegen Vergewaltigung im Knast, 1995 kam er auf Bewährung raus und gab sich geläutert. Nach nur zwei Aufbaukämpfen erhielt er gegen den Briten Frank Bruno die neuerliche Chance auf einen WM-Titel, denn seine Popularität kannte trotz aller Tiefen keine Grenzen. Der Fight im MGM Grand in Las Vegas dauerte dann nur drei Runden. Ein höchst aggressiver Tyson dominierte Bruno nach Belieben und wurde nach einer Kombination von 13 hammerharten Schlägen zum Sieger durch technischen K.o. erklärt. Er war zurück.

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9. November 1996: Mike Tyson gegen Evander Holyfield I

Der Kampf, auf den die Box-Welt ewig gewartet hatte. Ursprünglich wollte Tyson den Fight 1990 gegen Douglas als Aufbaukampf für ein Duell mit Holyfield nutzen - das ging bekanntlich schief. Stattdessen bezwang Holyfield Douglas und holte sich quasi Tysons Gürtel. Weil jener später ins Gefängnis einfuhr, stieg ihr großer Showdown erst sechs Jahre danach. Der mittlerweile wieder entthronte Holyfield erteilte Tyson in Las Vegas eine boxerische Lehrstunde, entwich dem brettharten Schlag des Champions meist und setzte selbst kritische Treffer. In der elften Runde war es vorbei.

28. Juni 1997: Mike Tyson gegen Evander Holyfield II

Der Ohrbiss. Damit ist schon fast alles über diesen legendären Kampf gesagt. Sieben Monate nach der ersten Auflage schädigte Tyson in dieser Nacht seinen Ruf nachhaltig. In der dritten Runde biss er seinem Gegner ein gutes Stück vom rechten Ohr ab. "Ich war wirklich wütend über die Kopfstöße und habe darüber den ganzen Kampf vergessen", sagte er kürzlich Fox News. In der zweiten Runde waren beide in der Tat mit den Köpfen zusammengeprallt, und Tyson zog sich eine Platzwunde zu. Seinen berühmten Aussetzer rechtfertigt dies jedoch nicht. Tyson wurde disqualifiziert, 15 Monate gesperrt und musste ganze drei Millionen US-Dollar Strafe zahlen.

8. Juni 2002: Mike Tyson gegen Lennox Lewis

Nach den Holyfield-Kämpfen war Tysons Karriere endgültig ins Schleudern geraten. Er war gesperrt, saß wieder gut vier Monate wegen Körperverletzung im Gefängnis und kämpfte mit Depressionen. Nach Ablauf der Suspendierung hangelte er sich von Kampf zu Kampf und von Skandal zu Skandal. Mit einem letzten Höhepunkt im Jahr 2002. Ein letztes Mal durfte Tyson um einen Gürtel kämpfen - nämlich gegen Dreifach-Weltmeister und Holyfield-Besieger Lennox Lewis, mit dem er im Januar zuvor auf einer Pressekonferenz in eine legendäre Massenschlägerei verwickelt gewesen war. Im Ring richtete Lewis Tyson dann aber übel zu und schickte ihn in der achten Runde derart krachend zu Boden, dass Tyson nicht mehr aufstand. Danach boxte Tyson noch dreimal, ehe eine TKO-Niederlage gegen den Iren Kevin McBride 2005 seiner belebten Laufbahn ein Ende setzte.