Helmut Schmidt vermisst Russland beim G7-Treffen: "Putin wäre gekommen"

09. Juni 2015 - 16:16 Uhr

Merkel: Russland muss sich zu grundlegenden Werten des Völkerrechts bekennen

Je näher der Gipfel der führenden Industrienationen im bayerischen Elmau rückt, desto lauter wird die Kritik am neuerlichen Fehlen Russlands beim Treffen der sieben Staats- und Regierungschefs. Deren Fraktion vertritt auch Altkanzler Helmut Schmidt, der an den G7-Gipfel keine großen Erwartungen hegt und die Runde ohne Russland für sinnlos hält.

Helmut Schmidt vermisst Russland beim G7-Treffen: "Putin wäre gekommen"
Altbundeskanzler Helmut Schmidt beim Interview in seinem Hamburger Büro, hier einmal ohne Zigarette.
© dpa, Christian Charisius

Er erhoffe sich vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise lediglich, dass die westlichen Staats- und Regierungschefs "nicht Öl ins Feuer gießen. Und damit bin ich dann zufrieden", sagte der 96-Jährige. Seiner Überzeugung nach wäre Wladimir Putin eine Gipfel-Einladung des Westens gefolgt, wenn sie "in gehöriger Form ausgesprochen worden wäre". Dies sei nicht der Fall gewesen. "Ich sehe deutlich, dass Putin beleidigt ist durch die Tatsache, dass der Westen ihn seiner Vorstellung nach nicht ernst genug nimmt."

In gewisser Weise zeigte er Verständnis für Putins aggressive Politik, die ihn im Westen isoliert hat. "Putin ist derjenige Mann, der nach der Wildwest-Periode unter (Präsident Boris) Jelzin den russischen Staat wiederhergestellt hat. Das ist nach seinen Vorstellungen seine Aufgabe", so Schmidt weiter. Der russische Präsident habe das letzte noch bestehende "Kolonialreich geerbt", das er zu erhalten versuche. Dabei handele Putin nur aus einer vermeintlich starken Position. Putin wisse, dass er "diese nicht anwenden kann."

Kreml seit der Krim-Annexion außen vor

Schmidt geht davon aus, dass aus der derzeitigen Konfrontation zwischen dem Westen und Russland keine militärische Auseinandersetzung entsteht. "Ich nehme an, dass weder Putin noch (US-Präsident Barack) Obama einen Krieg führen wollen. Die Krim ist kein Kriegsgrund. Die Ukraine insgesamt ist weder für Obama noch Putin ein wirklicher Kriegsgrund."

Im bayerischen Schloss Elmau treffen sich am kommenden Sonntag und Montag auf Einladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel die Staats- und Regierungschefs der USA, Kanadas, Frankreichs, Italiens, Japans und Großbritanniens. Russland, das die Gruppe der Sieben 1998 zu den G8 erweitert hatte, wurde 2014 nach der Annexion der Krim ausgeschlossen. "Solange sich Russland nicht zu den grundlegenden Werten des Völkerrechts bekennt und danach handelt, ist für uns eine Rückkehr zum Format G8 nicht vorstellbar", hatte Angela Merkel klargestellt.