Helden von London: Restaurantbesitzer halten Terroristen die Tür zu - und retten so viele Menschen

05. Juni 2017 - 16:06 Uhr

Sie retteten mindestens 20 Menschen das Leben

Ihre Kraft reichte nur für wenige Sekunden, aber das war genug, um mindestens 20 Menschen das Leben zu retten. Als die mit Messern bewaffneten Terroristen in ihr Restaurant am Londoner Borough Market eindringen wollten, hielten die Besitzer zu zweit die Tür zu. Alle Gäste konnten über den Hinterausgang entkommen.

London trauert um die Opfer und feiert seine Helden

Ein Taxifahrer nimmt die Restaurantbesitzer kurz nach ihrer Heldentat mit. Ihm erzählen sie die Geschichte. "Sie konnten die Tür für einige Sekunden halten, aber dann ging ihnen die Kraft aus. Aber vorher konnten alle durch die Hintertür fliehen - und so haben sie wohl 20 Menschenleben gerettet", erzählt der Taxifahrer, der seinen Namen nicht nennen möchte. Augenzeugen berichten später, dass die Attentäter wie von Sinnen auch in Gesichter und Kehlen mit ihren Messern eingestochen hätten. Viele der Gäste hätten wohl keine Chance gehabt.

Ein anderer Taxifahrer wird selbst zum Helden. "Terroristenattacke! Lauft! Lauft!", ruft er aus seinem Auto den vielen Menschen zu. Einige von ihnen können sich so noch rechtzeitig hinter Stühlen und Tischen in Sicherheit bringen. Ein Polizeibeamter stellt sich den drei Attentätern nur mit einem Schlagstock bewaffnet entgegen. Er hatte Hilferufe gehört und war als einer der ersten zum Tatort geeilt. Bei dem Einsatz wird er selbst schwer durch Messerstiche verletzt, aber er überlebt. Mit bloßen Händen greift ein weiterer Beamter ein. Er ist nicht im Dienst, war nur mit Freunden am Markt einen trinken. Auch er wird verletzt.

Ein Bäckereiangestellter erzählt, wie er rund 20 Menschen in den Laden ließ und dann die Rollläden dichtmachte. Auch er ist einer der Helden der Londoner Terrornacht. Zahlreiche Einwohner und Geschäftsleute boten gestrandeten Menschen Übernachtungsmöglichkeiten an. Hotels und Restaurants am Südufer der Themse kümmerten sich um Menschen auf dem Heimweg. Londons Bürgermeister Sadiq Khan hat versprochen, die Stadt werde sich nicht unterkriegen lassen.

Weitere Terrorattacke "sehr wahrscheinlich"

London trauert um die Opfer des jüngsten Terroranschlags.
London trauert um die Opfer des jüngsten Terroranschlags.
© REUTERS, CLODAGH KILCOYNE, AW

Acht Minuten nach dem ersten Notruf erschossen Polizisten die drei Täter. Die blutige Bilanz der Attacke am späten Samstagabend: mindestens sieben Tote und rund 50 Verletzte. Einige schweben in Lebensgefahr. Die Polizei erklärte 25 Minuten nach Mitternacht, es habe sich um "terroristische Vorfälle" gehandelt. Die Extremistenmiliz Islamischer Staat reklamierte das Attentat wenig später für sich.

Es ist der dritte Terroranschlag in nur drei Monaten im Königreich. "Jetzt reicht's", sagte Premierministerin Theresa May und kündigte kurz vor der Parlamentswahl am Donnerstag (8. Juni) eine schärfere Gangart gegen den Terrorismus an. Zugleich wurden in der britischen Hauptstadt die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt, wie May am Montag nach einem Treffen des Krisenstabs dem Sender BBC sagte. Dies gelte insbesondere für mehrere Brücken in London. Die Terrorwarnstufe werde auf dem zweithöchsten Niveau bleiben. "Das bedeutet, dass eine Terrorattacke sehr wahrscheinlich ist", sagte May.