Kleine Kinder müssen wochenlang frieren

Heizung und Wasser ausgestellt: Vermieter lässt Familien im Stich

11. Dezember 2019 - 21:22 Uhr

Warum unternimmt er nichts?

Wenn draußen ein eisiger Wind weht, ist man für die Wärme zuhause dankbar – vor allem, wenn man kleine Kinder hat. Nicht so Shevin Azem aus dem osthessischen Bruchköbel: Sie, ihre Familie und ihre Nachbarn frieren in den eigenen vier Wänden, müssen seit Monaten ohne Heizung und warmes Wasser auskommen. Beides wurde abgestellt – und zwar, weil ihr Vermieter Ulrich B. das Geld der Bewohner einfach einbehält, statt die Energieversorger damit zu bezahlen. Er selbst zeigt dafür auf Facebook gerne, was er hat. Wie schlimm die Situation in dem Haus inzwischen ist und warum Ulrich B. auch bei den Behörden schon längst ein rotes Tuch ist, sehen Sie im Video.

„Das ist nicht mehr normal, das ist kriminell“

Shevin ist verzweifelt, weint viel. Sie hat in ihrer Wohnung kleine Elektro-Heizkörper aufgestellt, doch die helfen kaum, ihre beiden kleinen Kinder richtig warmzuhalten. Auch ihr Nachbar Oskar Feder kann das Verhalten des Vermieters nicht glauben: "Das ist nicht mehr normal hier, das ist ja schon kriminell!", klagt er gegenüber dem RTL-Reporter.

Das sieht auch Landrat Thorsten Stolz so, der sich vor Ort ein Bild der untragbaren Situation machte: "Wir haben gesehen, mit welcher kriminellen Energie der Vermieter dort seinen Geschäften nachgeht - allein, wenn man überlegt, dass der Gaszähler eingemauert war!" Ein Zettel mit einem "Hausverbot" im Hauseingang soll ungebetene Besucher zusätzlich abschrecken: "Das dient in erster Linie natürlich dazu, dass der Vermieter die kleinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Energieversorgungsunternehmen ganz klar einschüchtern will." Das Verhalten von Ulrich B. verurteilt er mit klaren Worten: "Das ist eine Sauerei, was hier passiert."

Bereits vor Jahren etliche Strafanzeigen

Tatsächlich leiden nicht nur die 12 Parteien des Mietshauses in Bruchköbel unter dem skrupellosen Verhalten von Ulrich B., der sich auf Anfrage von RTL bisher nicht zu den Vorwürfen äußerte. Seit Jahren gibt es immer wieder Ärger. Auch in der Nachbarstadt Erlensee zum Beispiel besitzt Ulrich B. Immobilien - in einem Mehrfamilienhaus wurde ebenfalls das Wasser abgestellt, die Mieter dort gingen auf die Barrikaden. "Bei mir stapeln sich die Strafanzeigen gegen ihn. Und es kommen ständig neue hinzu", erklärte der Hanauer Oberstaatsanwalt Jürgen Heinze bereits 2015 gegenüber der Frankfurter Rundschau. Die Vorwürfe damals: Betrug, und Untreue, aber auch Beleidigung, Bedrohung und Belästigung.

Soforthilfe für betroffene Mieter

Sozialdezernentin Susanne Himmler zeigt sich im aktuellen RTL-Interview ebenfalls schockiert über die Zustände: "Unser Eindruck ist, dass hier auf dem Rücken der Schwächsten ein Geschäftsmodell zu etablieren. Wir können nicht abschließend beurteilen, was dahinter an Geschäftspraktik steckt."

Der Landkreis setzt sich nun für eine Soforthilfe ein, um die rund 30 Betroffenen zu unterstützen – auch juristisch. Inzwischen hat Shevins Familie es zuhause wenigstens wärmer:  Die Heizungen laufen wieder. Doch um den Machenschaften von Ulrich B. das Handwerk zu legen, werden die Mieter wohl noch länger kämpfen müssen.

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