Heißer Ritt in Texas: Crashgefahr bei Silber - 'Bullen' wittern ihre Chance

25. Oktober 2016 - 14:44 Uhr

Das Qualifying in Austin bot das altvertraute Bild: Die Silberpfeile rasten mit komfortablem Vorsprung in die erste Startreihe, dahinter folgte Red Bull, Ferrari landete abgeschlagen auf den Rängen 5 und 6. Im Duell der Formel-1-Titelrivalen gelang es Lewis Hamilton, dank seiner Überlegenheit im 1. Streckenabschnitt die Pole Position zu ergattern.

Der Sieg beim USA-Grand-Prix ist für Mercedes aber noch nicht in trockenen Tüchern, denn erfahrungsgemäß schmilzt der Vorsprung der Silbernen im Rennen. Auch die Longruns des Freitagstrainings sprechen für einen engen Kampf um den Rennsieg. Hinzu kommt die Startproblematik bei Mercedes: Vergeigt einer der beiden Silberpfeile das Losfahrprozedere – was in dieser Saison sowohl Hamilton als auch Rosberg schon passiert ist – könnte die Konkurrenz schon in Kurve 1 vorbeiziehen und das Qualifying-Ergebnis wäre Makulatur.

Aber auch in puncto Strategie könnte sich im Rennen das Blatt gegen das Weltmeister-Team wenden. Da der Supersoft-Reifen auf der texanischen Piste schnell abbaut, entschied Mercedes, dass sich beide Piloten in Q2 mit dem stabileren Soft-Pneu für das Rennen qualifizieren sollten. Red Bull verfolgte dagegen einen aggressiveren Plan und splittete seine Strategie: Während Verstappen heute wie die Mercedes auf Soft ins Rennen geht, wird Daniel Ricciardo mit den Supersoft-Walzen starten.

Je nach Rennverlauf wird sich zeigen, welche Reifen-Strategie sich als besser erweist. Eine frühe Safety-Car-Phase könnte beispielsweise Ricciardo helfen, den schneller nachlassenden Supersoft ohne allzu großen Zeitverlust zu wechseln.

Bei einem normalen Verlauf des Rennens wird der Australier mit der weicheren Mischung früher stoppen als die softbereifte Konkurrenz. Sprich: Red Bull wird mit Ricciardo einen 'Undercut' wagen. Entscheiden ist, dass Ricciardo nach seinem Garagenbesuch weit vorne wieder auf die Piste kommt und nicht im Verkehr hängen bleibt. So kann der viermalige GP-Sieger mit den frischen Pneus Druck auf die Kontrahenten machen.

Red Bull könnte das Zünglein an der Waage sein

Spannend wird sein, wann die anderen Top-Piloten – Hamilton, Rosberg, evtl. auch die Ferrari – zum Stopp kommen, und mit welchen Reifen sie ihren zweiten Stint absolvieren. Für gewöhnlich sollten die Teams versuchen, mit einer 2-Stopp-Startegie durchzukommen, je nach Reifenverschleiß könnten aber auch 3 Stopps nötig sein (eine 1-Stopp-Strategie scheint sehr unwahrscheinlich). Red Bull hat dabei mit Ricciardo bereits beide Optionen abgedeckt, Mercedes dagegen ist von der Basis-Strategie auf 2 Stopps getrimmt, was ein gewisses Risiko bergen könnte.

Ein Blick zum Kampf der Titel-Rivalen: Generell ist die hügelige Piste in Austin mit ihren schnellen und langsamen Passagen ein Kurs, auf dem man relativ gut überholen kann. Hamilton zeigte dies im Jahr 2014 als er den Start gegen Rosberg zwar verlor, im Rennverlauf aber sukzessive schneller als sein Teamkollege war, diesen letztlich in der Spitzkehre ausbremste und das Rennen gewann. Soll heißen: Rosberg bietet sich nicht nur beim Start die Chance seinen Erzrivalen zu kassieren, sondern auch auf der Strecke. Umgekehrt hat aber auch Hamilton die Chance wieder an Rosberg vorbeizuziehen, sollte er den Start vermasseln.

Ein Rad-an-Rad-Duell der WM-Rivalen auf der Strecke ist natürlich das Szenario, das sich die Fans wünschen. Interessant wird sein, wie aggressiv die Silbernen sich bekämpfen, ob es gar abermals zu einem Crash kommt. Eins ist klar: Eine Kollision mit Doppelausfall könnte der mit 33 Punkten führende Rosberg weitaus einfacher verkraften als Titeljäger Hamilton. Ob diese Ausgangslage auf die Herangehensweise der Dauer-Kontrahenten abfärbt, bleibt abzuwarten.

Das Zünglein an der Waage könnte in Austin Red Bull sein. Gelingt es einem 'Bullen' sich zwischen die Silberpfeile zu schieben, könnte dies den WM-Kampf erheblich beeinflussen.