Heilbronn: Polizei fand Kinderpornos bei Kevin F. – Arbeitgeber stellte Erzieher erst zwei Monate später frei

19. Februar 2018 - 16:48 Uhr

Arbeitgeber wusste von den Vorwürfen gegen Kevin F.

Für die Eltern war es ein Schock: Der bei allen beliebte Erzieher Kevin F. aus Heilbronn (Baden-Württemberg) soll pädophile Neigungen haben. Die Polizei entdeckte 10.000 Bilder und 900 Videos mit kinderpornografischen Inhalten auf dem Computer des Mannes. Doch dann kam der nächste Schock: Der Betreiber des Kindergartens wusste schon im November 2017 über die Vorwürfe gegen den Erzieher Bescheid, trotzdem wurde der Mann erst im Januar 2018 freigestellt.

Erzieher wurde erst Monate später freigeschaltet

"Wir haben den Beschuldigten unmittelbar freigestellt, nachdem uns die Staatsanwaltschaft über die Vorwürfe informiert hat", erklärte die evangelische Kirchengemeinde Heilbronn, nachdem der Fall öffentlich wurde. Tatsächlich arbeitete Kevin F. aber noch zwei Monate ganz normal weiter, bis sein Arbeitgeber aktiv wurde. Auch warum die evangelische Kirchengemeinde erst im November über die Ermittlungen informiert wurde, ist unklar.

Bereits im Februar 2016 flog der scheinbar vorbildliche Erzieher auf, als er im Netz kinderpornografisches Material mit einem verdeckten Ermittler austauschen wollte. Im Mai 2016 durchsuchten Beamte seine Wohnung, um Beweise zu sichern. Bis die Polizei alle Daten gesichtet hatte, die auf dem Computer des Erziehers gefunden wurden, verging mehr als ein Jahr. "Das war dann im Sommer 2017 der Fall. Und ab da war dann auch erst die Möglichkeit gegeben, im Bereich der Gefahrenabwehr vorzugehen und den Arbeitgeber anzusprechen", erklärte Alexander Lobmüller, Pressesprecher des Amtsgerichts Heilbronn. Informiert wurde der Kita-Träger aber erst im November.

Ob auch Kindergartenkinder Opfer wurden, kann niemand sagen

In all der Zeit arbeitete der Erzieher weiter in der Kita und hatte jeden Tag mit Kindern Kontakt. Bis heute kann die Polizei auch noch nicht sagen, ob möglicherweise Kinder zu Schaden kamen, die Kevin F. betreut hat oder ob er sich "nur" Bilder aus dem Internet beschafft hat. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft lediglich wegen Besitzes von kinderpornografischen Bildern, kann aber auch nicht ausschließen, dass Kevin F. Schutzbefohlene missbraucht hat.

Um herauszufinden, ob Kevin F. auch selber solche Fotos oder Videos von den Kindern in seiner Obhut angefertigt hat, müsste die Polizei alle Bild- und Videodateien noch einmal überprüfen. Das sei aus personellen Gründen nicht machbar, erklärte Lobmüller den SWR. Im März 2018 beginnt der Prozess gegen den Erzieher.