Nach den Krawallen in Washington

Heiko Maas: "Donald Trump wird nicht einfach verschwinden"

07. Januar 2021 - 19:23 Uhr

Weltweites Entsetzen über die Vorfälle in Washington

Der Sturm von Anhängern des scheidenden US-Präsidenten Donald Trump auf das Kapitol in Washington sorgt für großes Entsetzen. Viele Politiker äußerten sich bestürzt über das Geschehen in den USA. Auch Außenminister Heiko Maas. Wir haben mit ihm über die Vorfälle gesprochen.

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Außenminister Heiko Maas nach Chaos in den USA "sprachlos"

"Das hat uns gestern alle sprachlos gemacht", sagt der Außenminister bei RTL-Aktuell zu den Krawallen in Washington am Donnerstagabend. "Wir haben einiges erlebt mit Donald Trump in den letzten vier Jahren, aber das hat auch mein Vorstellungsvermögen überstiegen", kommentiert der SPD-Politiker. Mit der Bestätigung des Wahlergebnisses habe der US-Kongress aber seine Antwort gegeben. "Joe Biden wird jetzt Präsident werden und der Mann im Weißen Haus hat erklärt, dass er jetzt zu einer friedlichen Übergabe bereit ist", sagte Maas. Er freue sich nun auf die Zusammenarbeit mit der neuen US-Regierung.

Außenminister: Trump verbreitet "Hass und Hetze"

06.01.2021, USA, Washington: Unterstützer von US-Präsident Trump stürmen das Kapitolgebäude, wo die Abgeordneten den Sieg des gewählten Präsidenten Biden für die Präsidentschaftswahlen im November bestätigen sollten. Foto: Carol Guzy/ZUMA Wire/dpa ++
Ausschreitungen vor dem Kapitol.
© dpa, Carol Guzy, nwi

Die größte Herausforderung für den neu gewählten US-Präsidenten sieht der Außenminister in der Spaltung der USA. "Das wird eine Aufgabe sein, die so noch kein anderer Präsident zu schultern hatte", kommentiert er. Man könne jetzt nicht davon ausgehen, dass Donald Trump verschwinden werde. Zwar wird er aus dem Weißen Haus verschwinden, aber nicht aus der Öffentlichkeit, fügt er hinzu. "Wir haben gestern gesehen, was er in der Lage ist zu mobilisieren", so Maas. Trump werde vermutlich auch in Zukunft behaupten, er sei der legitime US-Präsident. "Wenn man es weiter mit jemandem zutun hat, der nur Hass und Hetze verbreiten und die Gesellschaft polarisieren will, wird das die Aufgabe von Joe Biden noch schwerer machen", sagt der Minister.

Vier Tote bei Krawallen in der Hauptstadt der USA

Trump hatte mit unbelegten Behauptungen über massiven Wahlbetrug bei einem Auftritt am Mittwoch abermals die Stimmung seiner Anhänger angeheizt. Daraufhin zogen Tausende zum Kapitol und stürmten den nur spärlich gesicherten Parlamentssitz. Die beiden Parlamentskammern waren gerade dabei, das Wahlergebnis offiziell zu bestätigen.

Während der Attacke starben nach Polizeiangaben vier Menschen. Nach dem Eindringen von Trump-Unterstützern wurde im US-Kapitol eine Frau von Sicherheitskräften angeschossen und starb wenig später, wie der Chef der Polizei in der US-Hauptstadt, Robert Contee, sagte. "Darüber hinaus wurden heute drei weitere Todesfälle aus der Umgebung des Kapitols gemeldet", sagte er. "Eine erwachsene Frau und zwei erwachsene Männer scheinen an unterschiedlichen medizinischen Notfällen gelitten zu haben, die zu ihrem Tod führten." Bei den Zusammenstößen seien zudem mehr als 50 Polizisten verletzt worden.

Reaktionen auf den Sturm aufs Kapitol in den Videos