Wenn der Druck bei der Arbeit zu viel wird

Heftige Statistik: Mehr als doppelt so viele Krankheitstage durch Psycho-Stress

26. März 2019 - 14:55 Uhr

Bedenkliche Entwicklung in den vergangenen 10 Jahren

Psychische Leiden führen zu immer mehr Fehltagen im Job. Innerhalb von nur 10 Jahren hat sich die Zahl der Ausfälle in Deutschland mehr als verdoppelt - von rund 48 Millionen im Jahr 2007 auf 107 Millionen im Jahr 2017. Welche Faktoren dazu führen und warum das gerade langfristig ein Problem ist, erklären Experten im Video.

Menschlicher und wirtschaftlicher Druck

Die nun von den Zeitungen der Funke Mediengruppe veröffentlichten Zahlen legte das Bundesarbeitsministerium auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag vor. Und der massive Anstieg zeugt nicht nur von schwerwiegendem Druck auf menschlicher Ebene: Die durch die Krankheitstage entstandenen wirtschaftlichen Ausfallkosten in diesem Zeitraum haben sich sogar fast verdreifacht - von 12,4 Milliarden auf 33,9 Milliarden Euro.

Ist meine Arbeit sinnvoll?

Laut DAK-Gesundheit ging die Zahl an Fehltagen ihrer Versicherten, die durch psychische Krankheiten ausgelöst wurden, 2018 im Vergleich zum Vorjahr erstmals seit 2006 zurück - um 5,6 Prozent. Dennoch sind psychische Leiden immer noch die dritthäufigste Ursache für Fehltage (15,2 Prozent). An erster Stelle standen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems (20,9), an zweiter Atemwegsleiden (16,0).

Wie der AOK-Fehlzeiten-Report zeigt, leiden Beschäftigte deutlich öfter an psychischen Beschwerden, wenn sie ihre Arbeit als wenig sinnvoll erachten und deshalb unzufrieden damit sind.

„Viele Arbeitgeber fahren auf Verschleiß"

​Die Bundesregierung sieht vor allem die Arbeitgeber in der Pflicht: Gegen psychische Belastungen würden keine neuen Arbeitsschutzregeln helfen, zitieren die Funke-Zeitungen aus der Antwort der Regierung.

Jutta Krellmann, arbeitspolitische Sprecherin der Linksfraktion, kritisierte diese Haltung scharf: "Viele Arbeitgeber fahren auf Verschleiß: Starker Druck, hohe Flexibilität - immer schneller, immer mehr. Beschäftigte werden über ihre Belastungsgrenze getrieben", sagte sie den Funke-Zeitungen. "Die Bundesregierung schaut Däumchen drehend zu."

Quelle: DPA/RTL.de