Hebammenmangel in Deutschland: So ungleich ist die Situation im Land

15. März 2018 - 15:16 Uhr

Hebammenmangel jetzt auch in den Krankenhäusern

Die Situation der Geburtshilfe in Deutschland ist prekär, nachdem nun auch eine Reisewarnung für deutsche Urlaubsregionen herausgegeben wurde. Es gibt kaum freiberufliche Hebammen, die in der Schwangerschaft Frauen betreuen. Und die Betreuung im Wochenbett ist ebenfalls schwierig, denn die wenigen freiberuflichen Hebammen sind so ausgelastet, dass sie zusätzlichen Anfragen für die Betreuung im Wochenbett nicht mehr annehmen können. Und dieser Personalmangel scheint nun auch in den Kliniken angekommen zu sein. Immer mehr Geburtskliniken schließen und in den verbleibenden Kliniken muss sich die gleiche Zahl Hebammen um mehr Schwangere kümmern. Hebamme Anja Lehnertz fasst im Interview noch einmal die schlimme Situation zusammen.

Rekordgeburten in Rostock, Autogeburt in Berlin

Reisewarnung Schwangere
Mother Hood e.V. hat für Schwangere eine Reisewarnung für Deutschland heraus gegeben.
© http://www.mother-hood.de

Bestes Beispiel: eine Rostocker Klinik. Dort wurden Anfang Juli innerhalb von 24 Stunden 26 Kinder geboren. Unter den Geburten gab es auch zwei Zwillingsgeburten. Fünf Kreißsäle hat die Klinik. "Bei 8,6 Frauen in 8 Stunden...mhm, wahrscheinlich kamen einige Babys in den Vorbereitungsräumen, Bädern oder sonstwo zur Welt", schreibt die Berliner Hebamme Jana Friedrich auf ihrer Facebookseite hebammenblog.de.

Wie verfahren die Situation auch in Berlin ist, wo es 19 Entbidnungsstationen gibt, zeigt ein anderes Beispiel. Dort wurde laut Berichten des 'rbb' eine hochschwangere Frau in den Wehen und mit bereits geöffnetem Muttermund von ihrer Wunschklinik abgewiesen - da alle Kreißsäle belegt waren. Man schickte die Frau mit ihrem Mann und dem eigenen Auto in ein zwanzig Minuten entferntes Krankenhaus. Bis in den Kreißsaal schafft es die Mutter nicht mehr - ihre Tochter kam im Auto zur Welt.

"Jede Frau, die hier niederkommt, wird auch ein Krankenbett und einen Kreißsaal finden", sagt Christoph Lang von der Senatsverwaltung für Gesundheit. Das ist auch gesetzlich geregelt, allerdings gibt es keinen Anspruch auf ein Wunschkrankenhaus.

Keine Geburtshilfe auf Sylt

Einen Anspruch auf einen Kreißsaal hat aber nicht jede Frau in Deutschland. Beispielsweise ist die Versorgung der Schwangeren auf den deutschen Inseln wie Sylt ganz zum Erliegen gekommen. Ende 2013 wurde auf der Insel die Geburtshilfestation geschlossen. Seitdem wird schwangeren Frauen geraten, zwei Wochen vor der Entbindung die Insel zu verlassen, um sich in den Kliniken auf dem Festland einzufinden. Aber was ist mit Notfällen? In solchen Fällen müssen Rettungshubschrauber oder Krankenwagen kommen. Es gibt schon Babys, die im Krankenwagen zur Welt kamen, der auf dem Autozug zwischen Sylt und dem Festland fährt.

Schwangere Frauen, die keine Hebammen finden, die sie in Schwangerschaft und Wochenbett unterstützen kann, sollten sich an die Krankenkasse wenden. Die sollten bei der Suche helfen. Wenn das nicht erfolgreich ist, dann rät Hebamme Anja Lehnertz dazu, sich an die Politiker zu wenden. Erst auf kommunaler, dann auf Landes- oder Bundesebene. "Wir brauchen den Aufruhr der Elternschaft", erklärt sie im Internview. Um den zu verstärken, unterstützt sie die Aktion #aufdentischhauenfürhebammen. Was genau dahinter steckt und wie jeder Hebammen unterstützen kann, erfahren Sie im Video.