Allergische Reaktion veränderte alles

Vitiligo und Alopezie durch Aknemittel: Kirt (31) verlor seine Hautfarbe und all seine Haare

Kirt Thibodeaux II vor und nach seiner Erkrankung
Kirt Thibodeaux II vor und nach seiner Erkrankung
© instagram/kirtuskwincy

02. November 2021 - 14:28 Uhr

Er wollte nur seine Akne loswerden

Eigentlich wollte Kirt nur seine Akne behandeln. Doch das Medikament, das ihm eine pickelfreie Haut schenken sollte, veränderte alles: Es nahm dem heute 31-Jährigen seine Haare und seine Hautfarbe.

Erst Schüttelfrost und Ausschlag, dann Vitiligo und Alopezie

2017 wurde Kirt Thibodeaux II aus dem US-Bundesstaat Louisiana das Antibiotikum Minocyclin zur Behandlung einer Akne-Erkrankung verschrieben. Doch das Medikament bekämpfte nicht nur seine Akne, sondern seinen gesamten Körper, wie "Metro" berichtet.

Kirt bekam Schüttelfrost und Ausschlag, entwickelte später Vitiligo (auch als Weißfleckenkrankheit bekannt) und Alopezie (Haarausfall). Der Grund: eine allergische Reaktion der Haut auf das eingenommene Medikament. Diese Art der Reaktion ist im medizinischen Bereich auch als Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS-Syndrom) bekannt.

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"Ich hatte das Gefühl, wie ein Monster auszusehen"

Kirt dachte zunächst, sein Körper würde sich an das Medikament gewöhnen. "Als ich endlich angemessen medizinisch versorgt wurde, sagte mir der Arzt, dass ich sterben hätte können. Das Medikament griff meinen Körper an und wenn ich noch eine Stunde zu Hause geblieben wäre, hätte das schlimme Folgen haben können", zitiert "Metro" den heute 31-Jährigen.

Doch auch wenn Kirt noch rechtzeitig medizinische Hilfe bekam, die Folgen für seinen Körper waren drastisch: Ihm fielen alle Haare aus und Teile seiner Haut begannen, ihre Melaninpigmente zu verlieren, was zu weißen Stellen auf seinem gesamten Körper führte.

"Ich fühlte mich hässlich: Meine Haut schälte sich und fiel ab, sie fühlte sich an, als würde sie brennen. Ich hatte einen Ausschlag, der nicht mehr aufhören wollte - es war schlimmer als Windpocken", so Kirt. "Mir war die ganze Zeit eiskalt und meine Finger- und Fußnägel fielen ab. Ich hatte das Gefühl, wie ein Monster auszusehen."

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Hautärztin: Minocyclin hat schon häufiger Vitiligo ausgelöst

Kirts Reaktion auf das Medikament Minocyclin ist sehr extrem. Ganz unbekannt ist die Entwicklung einer Vitiligo nach Einnahme des Aknemittels aber nicht, erklärt Hautärztin Dr. Yael Adler im Interview mit RTL: "Minocyclin ist ein klassisches Aknemittel, das aber bekanntermaßen mit dem Immunsystem Probleme auslösen kann. Und in der Tat sind Patienten häufiger schon von der Weißfleckenkrankheit, von der Vitiligo, betroffen gewesen nach der Einnahme von Minocyclin."

Ob man in gleichem Maße auf das Antibiotikum reagiere wie Kirt, könne man vorher allerdings nicht wissen, so die Expertin weiter. "Dieses Medikament wird interessanterweise auch hin und wieder gegen Vitiligo oder gegen Haarausfall versucht und könnte auch in manchen Fällen helfen. Es ist also nicht möglich, vorher abzuschätzen, ob ein Patient dieses Medikament vertragen wird oder nicht."

Laut Yael Adler vermutet man, dass Vitiligo eine Art Autoimmunerkrankung ist, bei der das Immunsystem gegen die eigenen Hautzellen arbeitet. Die Erkrankung kann genetische Faktoren haben und beispielsweise nach einem Sonnenbrand, durch Stress, eine Allergie oder im Zusammenhang mit anderen Autoimmunerkrankungen entstehen. Allerdings nicht unbedingt in dem Maße wie bei Kirt.

"Viele haben sicherlich schon mal Menschen gesehen, die zum Beispiel weiße Areale um die Augen hatten oder weiße Flecken auf den Händen", so die Hautärztin. "Das kann aber den ganzen Körper befallen. Es gibt da unterschiedliche Verteilungsmuster, meistens ist es symmetrisch."

"Das Ergebnis ist jetzt etwas, das ich um nichts in der Welt ändern würde“

Nach seiner Erkrankung vermied Kirt zunächst, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen. Doch die Unterstützung seiner Freunde und Familie gab ihm neue Kraft. 2018 begann Kirt wieder in den Sozialen Netzwerken aktiv zu werden, er war bereit, seine Geschichte zu erzählen.

"Um ehrlich zu sein, war Vitiligo nie ein großes Hindernis für mich", sagt er heute. "Am Anfang hat es mich gestört, aber ich hatte so viel Liebe und Bewunderung von meiner Familie, dass die Haut kein Problem darstellte."

Viel schlimmer für ihn war der Haarausfall: "Die Alopezie war ein ganz anderes Wechselbad der Gefühle. Ich hatte schon immer Angst davor, eine Glatze zu bekommen, und es schien, als würde meine größte Angst wahr werden", erzählt Kirt.

Doch er hat sich damit abgefunden und sagt heute sogar: "Es dauerte eine Weile, bis ich mich daran gewöhnt hatte, aber das Ergebnis ist jetzt etwas, das ich um nichts in der Welt ändern würde."

„Wir müssen in der Lage sein, die Menschen so zu lieben, wie sie sind"

Kirt hat sein neues Aussehen akzeptiert, modelt mittlerweile und setzt sich für Vielfalt in der Branche ein. "Vielfalt ist für mich sehr wichtig. Die Welt, in der wir heute leben, wächst und entwickelt sich ständig weiter, und ich denke, wir sollten diese Entwicklung in jedem Bereich zeigen", sagt er. "Wir sagen den Kindern, dass jeder alles sein kann, was er will - warum sollten wir das also nicht allen zeigen?"

Für seine positive Einstellung bekommt Kirt viel positives Feedback, dass ihm Kraft gibt weiterzumachen. "Wir müssen in der Lage sein, die Menschen so zu lieben, wie sie sind", sagt Kirt. "Ich glaube, dass man so das Beste aus jedem herausholen kann." (akr)