Auch die Zahnärzte bieten sich an

Hausarzt-Impfung verzögert sich weiter: Wann kommt endlich der Impfturbo?

Zahnärzte wollen auch impfen
Zahnärzte wollen auch impfen
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11. März 2021 - 12:56 Uhr

Enttäuschung über verzögerten Impfstart im April

Das ist enttäuschend: Der schnelle Pieks beim Hausarzt um die Ecke – darauf müssen wir doch noch etwas länger warten. Die groß angekündigte Impf-Offensive ist erstmal verschoben auf den 19. April – das haben die Gesundheitsminister am Mittwoch beschlossen. Kanzlerin Angela Merkel und die Länder-Chefs konnten sich vorher erstmal nicht einigen, wie es mit dem Impfen beim Hausarzt laufen soll. In dem Tempo weitermachen oder besser gesagt: nicht weitermachen? Helfen wollen jetzt auch Zahnärzte. Und die Kassenärzte rechnen pessimistischer mit einem Impfstart in den Praxen erst ab Mai.


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Lauterbach zum Impfen beim Hausarzt

Dass Hausärzte mithelfen sollen, finden zumindest mal die allermeisten Politiker grundsätzlich gut. Nicht alle sehen darin aber die schnelle Lösung aller Corona-Probleme: "Es ist richtig, die Hausärzte in die Impfstrategie einzubinden, auch wenn sich dadurch das Impftempo wegen des Mangels an Dosen bis Ende April noch nicht wesentlich erhöhen lässt", sagt Lauterbach der Zeitung "Rheinische Post".

In NRW zumindest prescht Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) voran und sicherte am Donnerstag Impfstoff für Hausärzte ab Ende März zu!

Ein altbekanntes Thema lässt allerdings auch hier ein wenig zweifeln: Der Beschluss der Gesundheitsminister ist für die einzelnen Bundesländer nicht verpflichtend. Also wieder unterschiedliches Vorgehen je nach Bundesland und keine einheitliche Strategie.

Zahnärzte bieten sich beim Impfen an

Was könnte jetzt noch helfen, den Impf-Turbo anzuschmeißen? Es gibt jedenfalls Angebote aus den Reihen der Zahnärzte. Sie wollen gerne beim Testen und Impfen mit einsteigen.

"Das Angebot gilt weiterhin", sagt der Vorsitzende der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), Wolfgang Eßer, dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" l. Als approbierte Ärzte seien Zahnärzte grundsätzlich dazu befähigt, Impfungen durchzuführen. Es sei wichtig für schnelle und flächendeckende Impfungen wichtig, ausreichend Impf-Ärzte zu haben. Das leuchtet ein und Spritzen setzen kennen wir durchaus auch vom Besuch beim Zahnarzt.

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Impfen beim Arzt nicht vor Mai?

Noch trüber sieht es aus der Sicht der Kassenärzte aus. Weil es vorerst einfach nicht genug Impfstoff für Ärzte gebe und der weiter erstmal nur an die Impfzentren geliefert werde. Von dort heißt es, dass "wir auf diese Ressourcen wohl dann erst im Mai zurückgreifen können und es bei dem bisherigen Impftempo bleiben dürfte" . Soweit das Statement von Dr. Andreas Gassen (Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, KBV) zur dpa.

Auch Gassen zeigt sich über den verzögerten Impfstart enttäuscht und hat eigentlich damit gerechnet "dass die Ärzte schon 'sehr viel früher' in die Impfstrategie eingebunden würden."
Und diese Zahlen ruft er auf: Fünf Millionen Impfungen pro Woche könnten "ohne größere Anstrengungen" geleistet werden. Die Arztpraxen könnten "das Impfen in hoher Frequenz und in großer Menge leisten - wenn sie den Impfstoff bekommen", so Gassen.

Ethik-Rat fordert höheres Tempo beim Impfen

Und auch der Deutschen Ethikrat fordert einen höheren Gang beim Impfen:
"Es ist ein ethisches Gebot, jetzt Meter zu machen" sagte Chefin Alena Buyx im RTL/ntv-Frühstart.

Sie habe großes Vertrauen, dass die niedergelassenen Ärzte die vorgegebene Impfreihenfolge im Großen und Ganzen gut umsetzen können. "Man sollte grundsätzlich an der Priorisierung festhalten, aber den Ärztinnen und Ärzten die Möglichkeit geben, selbst zu entscheiden, wen impfe ich jetzt von meinen Patientinnen und Patienten besonders schnell, wer braucht besonders viel Schutz." (mehr im Video)

RTL-Korrespondent schätzt die Impf-Lage ein

Unser Berliner Korrespondent Holger Schmidt-Denker sieht bei ntv die Situation zum Impfstart bei Hausärzten auch mit Sorge. Der Föderalismus, also die Tatsache, dass Bundesländer einzeln für sich entscheiden können, hemme uns, schneller zu werden. Er sieht aber auch bürokratische Probleme: wie kann verhindert werden, dass Menschen schon beim Hausarzt geimpft werden und trotzdem noch bei den Impfzentren erfasst sind. Das hätte laut Schmidt-Denker schon vor Jahren mit einem nationalen Impfregister verhindert werden können.

Hausarzt: Bald neuer Impfstoff nötig

Die Hausärzte stehen also in den Startlöchern, wollen helfen. Die Zeit läuft davon, sagen sie."Wenn wir alles kaputt diskutieren, brauchen wir uns bald keine Gedanken mehr zu machen, dann haben wir bald den nächsten Impfstoff, der dann angepasst sein muss an die Mutationen" sagt Hausarzt Dr. Christoph Specht im RTL-Interview.

Ärzte, Ethik-Rat und wohl auch die Menschen im Land sind sich einig. Es ist dringend nötig, schneller zu werden und weniger zu reden, damit wir nicht von dem Virus-Geschehen überholt werden. Es ist anzunehmen, dass das Coronavirus auf Bürokratie pfeift.

Im Video: Ist der russische Impfstoff "Sputnik" für uns zusätzlich sinnvoll? Dr. Specht schätzt ein.