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Hauptzollamt Bielefeld verbietet Mitarbeitern Birkenstock-Sandalen

Hauptzollamt Bielefeld verbietet Mitarbeitern Birkenstock-Sandalen

Bunte Birkenstock-Schuhe in einer Auslage
Birkenstock-Sandalen sind bei vielen Menschen sehr beliebt – und schon längst auch in modischen Farben zu haben!
Wolfram Steinberg, picture alliance

Gruppenleiter überprüfen, ob die Kleiderordnung eingehalten wird

Ganz schön streng, diese Kleiderordnung! Im Hauptzollamt Bielefeld dürfen die Mitarbeiter keine Birkenstock-Sandalen mehr tragen. Gruppenleiter sollen sogar in Rundgängen überprüfen, ob die Belegschaft sich an die Vorgabe hält. Das sorgt nicht nur für großen Ärger bei den Mitarbeitern, sondern wirft auch die Frage auf, ob der Arbeitgeber das überhaupt darf.

Offene Schuhe: Ja – Birkenstocks: Nein

Der Streit um die Kleiderordnung im Zollamt Bielefeld dauert nun schon seit August an. Im heißen Sommer haben der Behörde anscheinend zu viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen die fußbettschonenden Schlappen getragen. Denn anscheinend wurden sie in einem internen Schreiben, das der "Neuen Westfälischen (NW)" vorliegen soll, aufgefordert, keine Birkenstock-Sandalen oder Flip-Flops mehr zu tragen. Offene Schuhe seien zwar erlaubt, allerdings nur mit Fersenriemen.

Mitarbeiter fühlen sich gedemütigt

Das Verbot an sich sorgte bereits für Ärger in der Belegschaft. Immerhin sind Birkenstock-Schuhe eine bequeme und gesunde Wahl für unsere Füße. Noch mehr fühlen sich die Mitarbeiter allerdings von der Art und Weise gedemütigt, wie das Hauptzollamt die Kleiderordnung durchzusetzen versucht.

"Es kommt regelmäßig vor, dass Gruppenleiter morgens durch die Büros gehen und unter die Schreibtische blicken, um zu prüfen, ob sich die Mitarbeiter an die Kleiderordnung halten", zitiert "NW" eine Mitarbeiterin, die anonym bleiben will. Weiter schildert sie: "Die Kontrolleurin sagte mir in gebeugter Haltung, dass ich die Hose hochziehen soll, damit sie die Fersenriemen sehen kann und will mir tatsächlich an die Hose greifen." Hielten sich Mitarbeiter nicht an die Kleiderordnung, würden sie nach Hause geschickt und gebeten, sich umzuziehen. Die Mitarbeiterin erklärt, sie habe die Gleichstellungsbeauftragte und die Leitung des Zollamts informiert.

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Kleiderordnung: Was darf der Chef verlangen?

Aber was darf der Chef denn nun vorschreiben und was nicht? Dabei trifft die sogenannte Weisungsbefugnis des Arbeitgebers auf das Persönlichkeitsrecht jedes Arbeitnehmers. Grundsätzlich kann der Arbeitgeber eine Kleiderordnung vorgeben. Wenn es um die Sicherheit der Mitarbeiter geht, ist an so einer Vorschrift auch nicht zu rütteln. So müssen Bauerarbeiter immer Sicherheitsschuhe und einen Helm tragen.

Auch der Wunsch nach einem einheitlichen Erscheinungsbild der Mitarbeiter ist zulässig. Und da die Angestellten das Unternehmen nach außen hin repräsentieren, kann der Arbeitgeber auch fordern, dass auf Freizeitkleidung verzichtet wird. Allerdings sind die Vorschriften oft Auslegungssache. Im Zweifelsfall sollten Sie also am besten einfach das Gespräch mit dem Arbeitgeber oder, falls vorhanden, dem Betriebsrat suchen.

Das Hauptzollamt Bielefeld beruft sich auf genau diese Punkte. Schlappen würden zur Freizeitkleidung gehören und seien deshalb in der Behörde unerwünscht. Außerdem bärgen sie das Risiko, beim Treppensteigen hängenzubleiben. Doch auch, wenn das Birkenstock-Verbot vielleicht zulässig ist, geht die Art und Weise, wie das Einhalten überprüft wird, schon etwas weit, oder?