Hat Wulff seinen Kredit verspielt?

10. Februar 2016 - 12:03 Uhr

Umfrage: Wulff verliert an Ansehen

Als der Mann von nebenan wurde Christian Wulff von der Mehrheit der Deutschen geschätzt. Doch immer neue pikante Details rund um das umstrittene Darlehen über 500.000 Euro setzen den 52-Jährigen unter Druck, über jeden Zweifel erhaben ist er schon lange nicht mehr.

Hat Wulff seinen Kredit verspielt?
Egon Geerkens war doch an Kredit-Gesprächen mit Christian Wulff beteiligt.
© dpa, Tim Brakemeier

In einer RTL-'stern'-Umfrage sagten 31 Prozent der Bürger, Wulff habe für sie an Ansehen verloren. Die Ergebnisse fielen deutlich negativer aus als noch in der Vorwoche, nachdem Wulff eine Auflistung über die kostenlosen Privat-Urlaube bei befreundeten Unternehmern vorgelegt hatte. Einen Rücktritt Wulffs lehnt die überwältigende Mehrheit der Bürger (79 Prozent) aber ab. Lediglich 13 Prozent fordern, der Bundespräsident solle nach allen Vorwürfen sein Amt zur Verfügung stellen.

Unterdessen hat Wulffs Anwalt Gernot Lehr jetzt erstmals bestätigt, dass der Unternehmer Egon Geerkens doch an den Verhandlungen rund um den Privatkredit beteiligt war. Zugleich wurde aber betont, dass Kreditgeber die Ehefrau Geerkens gewesen sei. "Die Modalitäten wurden gemeinsam besprochen, das Darlehen von Frau Edith Geerkens gewährt", zitiert die 'Welt' aus einer Stellungnahme.

Vier Strafanzeigen gegen Bundespräsidenten

Die Kreditaffäre wird indes vorerst keinen Untersuchungsausschuss im niedersächsischen Landtag zur Folge haben. Aus Sicht der SPD/Grünen-Opposition müssten zunächst alle anderen parlamentarischen Möglichkeiten ausgeschöpft werden. "Ein solcher Ausschuss ist die Ultima Ratio", sagte SPD- Fraktionschef Stefan Schostok. Auch ein Gang zum Staatsgerichtshof sei derzeit kein Thema. "Beide Verfahren, Untersuchungsausschuss und Staatsgerichtshof, würden sich über Monate in die Länge ziehen", sagte Grünen-Sprecher Rudi Zimmeck.

Unterdessen ermittelt auch die Justiz gegen Wulff. "Die Staatsanwaltschaft hat vier Anzeigen vorliegen, die überprüft werden", sagte der Sprecher der Behörde in Hannover, Jürgen Lendeckel. In den Anzeigen geht es den 'Stuttgarter Nachrichten' zufolge vermutlich um den Vorwurf der Vorteilsannahme. Die Staatsanwaltschaft muss jede Anzeige prüfen, die bei ihr eingeht.

Aus der schwarz-gelben Koalition erhält der Bundespräsident dagegen immer mehr Zuspruch. Nach Kanzlerin Angela Merkel nahm auch Verteidigungsminister Thomas de Maizière das Staatsoberhaupt in Schutz. "Ich habe volles Vertrauen zu diesem Bundespräsidenten", sagte der CDU-Politiker der 'Berliner Zeitung'. "Christian Wulff übt sein Amt hervorragend aus." Die Debatte über das Privatdarlehen Wulffs sei legitim, er werde sich daran aber nicht beteiligen. "Ich bin kein Richter über einen Bundespräsidenten, der gute Arbeit macht." Zudem gebe es in diesem Fall ja keine handfesten Vorwürfe. Es handele sich eher um Stilfragen.

Verbraucherministerin Ilse Aigner verlangte ein Ende der Diskussion. Wulff habe alles offengelegt und für Transparenz gesorgt. "Das ist das Wichtigste", sagte die CSU-Politikerin der 'Rheinischen Post'.