Hat Killer-Pfleger Grzegorz Stanislaw W. noch mehr Patienten auf dem Gewissen?

Grzegorz Stanislaw W.
Grzegorz Stanislaw W. soll sechs Menschen mit einer Insulin-Überdosis getötet haben.
Polizei München

Polizei München bittet Öffentlichkeit um Hinweise

Ist dieser Hilfspfleger ein Serienmörder? Grzegorz Stanislaw W. sitzt wegen des Verdachts auf Mord und Raubes mit Todesfolge in Untersuchungshaft in einem Münchner Gefängnis. Ein 87-jähriger Rentner aus dem Vorort Ottobrunn soll gestorben sein, nachdem ihm der Pfleger Insulin verabreicht hatte. Die Polizei befürchtet, dass dieser Fall nur die Spitze des Eisbergs ist, denn der 36-Jährige war in ganz Deutschland tätig. Laut 'Bild'-Zeitung prüft die Polizei nun vier weitere Todesfälle.

Vier weitere verdächtige Todesfälle

Die Patienten verstarben offenbar, während sich der Tatverdächtige um sie kümmerte. Die Ermittler bekamen Hinweise auf Fälle in Forchheim und Kitzingen (Bayern), in Hannover (Niedersachsen) und in Tuttlingen (Baden-Württemberg).

Mit der bundesweiten Fahndung wollen Polizei und Staatsanwaltschaft München herausfinden, wo der Mann noch überall gearbeitet hat. Dass die Ermittler seinen vollen Namen nennen, ist ungewöhnlich. "Das greift stark in die Persönlichkeitsrechte ein", gab Oberstaatsanwältin Anne Leiding zu. Als letztes Mittel sei das aber unbedingt erforderlich. "Wir wollen ein Bewegungsbild des Beschuldigten. Wir wollen wissen, wo er sich aufgehalten hat."

"Wir wollen wissen, wo er sich aufgehalten hat"

Die Grafik der Polizei zeigt die Aufnenthaltorte des 36-jährigen Polen Gregorz Stanislaw Wolsztajn in Deutschland. So erhofft sich die Polizei Hinweise in mehreren Mordverdachtsfällen.
Die Grafik der Polizei zeigt die Aufenthaltsorte des 36-jährigen Polen Gregorz Stanislaw W. in Deutschland.

Der Pole war als ungelernte Pflegehilfskraft und ab 2008 im Ausland aktiv, in England und zunehmend auch in Deutschland. Der Kontakt zu den Pflegebedürftigen und ihren Familien kam über ein Geflecht von Vermittlungsagenturen zustande.

Ein kräftiger Mann, der schwere Leute heben konnte - wohl ein Grund, warum er gebucht wurde. Kam ein Vertrag zustande, zog er bei den Patienten zur 24-Stunden-Pflege ein. Die meisten Verträge seien aber vorzeitig beendet worden, sagte der Leiter der Münchner Mordkommission, Josef Wimmer. Lustlos, unangemessenes Verhalten, mitunter aggressiv, so beschrieben Familien den 36-Jährigen. Dass gegen ihn mehrfach ermittelt wurde, auch wegen gefährlicher Körperverletzung eines Pflegebedürftigen - davon wusste niemand.

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Misstrauischer Notarzt bringt Ermittlungen gegen Grzegorz Stanislaw W. ins Rollen

06.03.2018, Bayern, München: Oberstaatsanwältin Anne Leidig (l-r), Josef Wimmer, Leiter der Münchner Mordkommission, und Marcus da Gloria Martins, Pressesprecher der Münchner Polizei, sprechen auf einer Pressekonferenz im Polizeipräsidium, während im
Oberstaatsanwältin Anne Leidig, Josef Wimmer, Leiter der Münchner Mordkommission´und Marcus da Gloria Martins, Pressesprecher der Münchner Polizei (von links)
geb htf, picture alliance / Andreas Geber, Andreas Gebert

Durch den Fall des toten Rentners aus Ottobrunn änderte sich das, weil der Notarzt misstrauisch wurde und die Polizei alarmierte. Die Ermittler stießen auf weitere Fälle, die ihnen merkwürdig vorkamen. Im baden-württembergischen Waiblingen, in Mülheim an der Ruhr, in Weilheim und Aresing in Oberbayern kamen Pflegebedürftige ins Krankenhaus, während sie von dem Mann betreut wurden. Das Auffallende: Bei allen seien nicht erklärbare, extrem niedrige Blutzuckerwerte festgestellt worden, obwohl keiner Diabetes hatte. Ein Mensch aus Burg in Schleswig-Holstein starb wenige Tage nachdem der Pfleger angereist war.

Ist es ein Fall mit größeren Dimensionen als bisher bekannt? Noch sind die Ermittlungen am Anfang. Trotzdem werden Erinnerungen an den verurteilten Patientenmörder Niels Högel wach. Er soll für die größte Mordserie in der deutschen Nachkriegsgeschichte verantwortlich sein - mehr als 100 schwer kranke Menschen hat der Ex-Krankenpfleger an den Kliniken Delmenhorst und Oldenburg zwischen 2000 und 2005 vermutlich getötet.